Die Patek Philippe Nautilus 5711/1A hat seit ihrer Vorstellung im Jahr 2006 einen mythischen Status erreicht. Man gewinnt sogar den Eindruck, dass sie im Verlauf der letzten Jahre noch mehr Zustimmung erfahren hat. Dabei muss man bedenken, dass der Listenpreis dieser Uhr bei 26.810 Euro liegt. Das ist schon ein ordentlicher Preis für eine Edelstahluhr, die außer einer Datumsanzeige keine Extrafunktionen hat. Einspruch! Für diese Uhren besteht eine lange Warteliste. Selbst eine gebrauchte Nautilus 5711/1A ist mit Preisen ab etwa 40.000 Euro keine günstige Alternative. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Leute im Moment geradezu verrückt nach Uhren sind. Bei der Nautilus nimmt das allerdings schon fast extreme Züge an.

Die Patek Philippe Nautilus 3700/1A und die aktuelle 5711/1A

Dieser Artikel stellt die Nautilus 5711/1A der Vintage 3700/1A gegenüber. Bei meiner Erstveröffentlichung des Artikels im Jahr 2013 lagen die Preise unter dem heutigen Listenpreis für die 5711/1A. Allerdings hat sich während der letzten fünf Jahre viel geändert. Die wunderbare Geschichte der Nautilus, von Genta entworfen und mit einem traumhaften Gehäuse und Armband versehen, ist jedoch nach wie vor eine unverrückbare Konstante. Während sich der Artikel aus dem Jahr 2013 mit einem Vergleich zwischen der 3700/1A und der 5711/1A befasst, um Ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern, werden in diesem Vergleich die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen beiden Referenzen erläutert. Der Preis der 3700/1A ist seit dem Jahr 2009 von ca. 20.000 Euro auf beeindruckende 70.000 Euro im Jahr 2018 gestiegen.

Die Wertsteigerung dieser Uhr soll hier jetzt aber nicht zum Dauerthema werden. Stattdessen möchte ich die luxuriöse Sportuhr aus Stahl in den Fokus rücken, die Patek Philippe im Jahr 1976 vorgestellt und 2006 neu aufgelegt hat.

Die Geschichte der Nautilus im Schnelldurchlauf

Patek Philippe steht in der Riege der renommierten Schweizer Uhrenunternehmen ganz vorne. Das war schon immer so. Zu der oftmals reichen und über den ganzen Globus verteilten Klientel gehören Royals und führende Unternehmer. Der Slogan dieser Marke gehört zu den bekanntesten überhaupt: “Eine Patek Philippe gehört einem nie ganz allein. Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation.” Man kann diesen Slogan natürlich interpretieren, wie man möchte. Jedenfalls wird er von aktuellen und zukünftigen Besitzern einer Patek Philippe gerne zitiert, wenn es darum geht, den Kauf einer teuren Uhr dieser Marke zu rechtfertigen.

Patek Philippe Nautilus

Mitte der 1970er-Jahre war Patek Philippe für seine hochwertigen, mit Komplikationen ausgestatteten Uhren oder die flachen goldenen Dresswatches bekannt. Dann entschied sich das Unternehmen, eine luxuriöse Sportuhr herzustellen. Audemars Piguet bewies bereits 1972 mit der Royal Oak, dass auch ein Haute Horlogerie-Unternehmen eine luxuriöse Sportuhr aus Edelstahl auf den Markt bringen kann, ohne dass die Reputation darunter leidet.

Patek Philippe arbeitete für die Nautilus mit dem Designer der Royal Oak zusammen: Gérald Genta. Genta entwarf eine Uhr mit sehr speziellen Charakteristiken: Das Design im Stil eines Bullauges, die Kombination von polierten und gebürsteten Gehäuse- und Armbandteilen und natürlich das integrierte Edelstahlarmband. Jedes kleine Detail war penibel durchdacht. Im Jahr 1976 stellte Patek Philippe die Nautilus der Öffentlichkeit vor.

Bei vielen Kunden kam die Nautilus allerdings nicht besonders gut an. Eine Sportuhr passte so gar nicht zu einem Unternehmen wie Patek Philippe, das immer (goldene) Uhren im klassischen Stil, mit oder ohne Funktionen, hergestellt hatte. Die Nautilus brachte die etablierte Kollektion ordentlich durcheinander. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wer sich eine Patek Philippe Nautilus kaufen möchte, wird sich in der Regel entweder für eine neue Nautilus aus der aktuellen Kollektion oder eine gebrauchte Vintage-Nautilus aus der Ära Mitte bis Ende der 1970er-Jahre entscheiden. Wobei ein gebrauchtes Vintage-Model in der gleichen Preisklasse liegt wie eine neue Nautilus. Oder sogar teurer ist.

Der Artikel fokussiert auf die erste Patek Philippe Nautilus mit der Referenz 3700/1A und die aktuelle Nautilus mit der Referenz 5711/1A. Auf den ersten Blick hat sich im Laufe der letzten 36 bis 37 Jahre nicht viel verändert. Die Änderungen fallen erst bei genauerem Hinsehen auf.

Das Bullauge

Das Gehäuse der Patek Philippe sieht aus wie ein Bullauge. Das Modell mit der Referenz 3700/1A besteht im Prinzip aus zwei Teilen: Gehäuse und Lünette. Wie bei einem Bullauge, sind die beiden Teile miteinander verschraubt.

Patek Philippe Nautilus

Das 42 mm Gehäuse der 3700/1A Nautilus ist nicht gerade zierlich und war besonders für den Modegeschmack des Jahres 1976 ziemlich groß. Kein Wunder also, dass die Uhr bald den Spitznamen „Nautilus Jumbo” bekam.

30 Jahre später hatte die Neuauflage der Nautilus (5711/1A) im Jahr 2006 sogar ein noch größeres Gehäuse. Patek Philippe brachte die Uhr übrigens für 14.600 Euro auf den Markt. Das Gehäuse der Referenz 5711/1A misst 43 mm und ist etwas dicker. Außerdem besteht es aus drei separaten Teilen: Lünette, Gehäusehülle und Gehäuseboden. Puristen argumentieren in diesem Zusammenhang gerne, dass die 3700/1A durch den zweiteiligen Aufbau interessanter ist und das Bullaugendesign besser zur Geltung kommt.

Patek Philippe Nautilus 5711

Der Einbau eines neuen Uhrwerks (mehr dazu später) und die Erweiterung des Zifferblatts um einen Sekundenzeiger änderte die Gesamtoptik des Gehäuses und damit der Neuauflage. Außerdem führte die Integration des Sekundenzeigers dazu, dass das Oberteil der Uhr (die Lünette) etwas dicker wurde. Wahrscheinlich hatte Gérald Genta eine Vorliebe für Uhren, die nur einen Stunden- und Minutenzeiger haben, da die ursprüngliche Royal Oak auch keinen Sekundenzeiger besaß.

Das Zifferblatt der Nautilus

Bei einem Vergleich der 3700/1A mit der 5711/1A fällt auf, dass sich auch das Zifferblatt der Nautilus geändert hat. Das Muster ist zwar das gleiche, aber die Farbe ist anders. Das Zifferblatt der neuen Nautilus ist durch den changierenden grün/blauen Farbverlauf bei wechselndem Lichteinfall etwas dynamischer als beim Vintage-Modell. Die 3700/1A Nautilus kann man nach Belieben drehen, ohne dass sich die bläuliche Farbe des Zifferblatts verändert.

Patek Philippe Nautilus

5711/1A

Bei der Neuauflage sind die Schriftzüge „Patek Philippe” und „Geneve” etwas dichter an die 12 Uhr Stellung herangerückt. Außerdem hat sich auch die Schriftart geändert. Für die Nautilus 3700/1A wurde der in den 1970er-Jahren übliche Fettdruck verwendet, der im Vergleich zum aktuellen Modell zu stark erscheint.

Patek Philippe Nautilus

3700/1A

Ein Blick auf das Zifferblatt offenbart sofort den Unterschied zwischen der 5711/1A mit dem zusätzlichen Sekundenzeiger und der 3700/1A, die lediglich einen Stunden- und Minutenzeiger hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und über Bequemlichkeit sicherlich auch nicht. Das Zifferblatt der 3700/1A hat aber die ruhigere Optik.

Das Uhrwerk

Für die Erstauflage der Nautilus entschied sich Patek Philippe für das Kaliber 28-255C, ein Automatik-Uhrwerk mit Handaufzug. Das extrem dünne Uhrwerk baut auf dem Jaeger-LeCoultre Kaliber 920 auf und ist somit identisch mit dem Uhrwerk, das in der 72er Royal Oak mit der Referenz 5402 steckt. Dieses Uhrwerk ist, einschließlich Rotor, lediglich 3,05 mm hoch und hat keinen Sekundenzeiger. Audemars Piguet verwendet es heute nur noch unter der Bezeichnung Kaliber 2121 (Vacheron Constantin benutzt für die Overseas Ultra-Thin eine eigene Version). Anstatt auf Kugellagern ist der Rotor bei diesem Uhrwerk auf Schienen gelagert.

Patek Philippe 28-255C

In der Nautilus 5711/1A arbeitet das Automatik-Kaliber 324 S C mit Handaufzug. Patek Philippe entwickelte dieses Uhrwerk selbständig und fertigt es in der eigenen Manufaktur. Das Kaliber ist wunderschön konstruiert und verarbeitet, allerdings nicht so flach wie sein Vorgänger. Bei der aktuellen Nautilus gibt der durchsichtige Gehäuseboden den Blick auf das Uhrwerk frei.

Das dreiteilige Gehäuse und das Kaliber 324 S C verleihen der 5711/1A eine Optik, die sich vom Modell 3700/1A unterscheidet. Das Gehäuse ist dicker, der Abstand zwischen dem Zifferblatt und dem Saphirglas ist aufgrund des Sekundenzeigers größer und der Gehäuseboden ist transparent. Trotzdem hat es Patek Philippe geschafft, das schlanke und elegante Design der Nautilus beizubehalten.

Caliber 324 SC

Das Armband

Viele Sportuhren haben ein massives Armband, das sich schwer anfühlt. Die Armbänder der Nautilus sind sehr dünn und schlank. Der Tragekomfort ist bei beiden Referenzen (3700/1A und der neuen 5711/1A) fast identisch. Die beiden Uhren unterscheiden sich hauptsächlich durch die Faltschließe (siehe Fotos). Das Armband der 3700/1A wird mittels eines relativ einfachen Mechanismus geschlossen. Die Schließe besteht aus zwei schlicht gehaltenen Metallteilen ohne zusätzliche Gravuren. Die Schließe funktioniert jedoch problemlos und zuverlässig. Sie verfügt zusätzlich über einen Sicherheitsbügel, damit sich die Faltschließe nicht unabsichtlich öffnen kann.

Patek Philippe Nautilus

3700/1A

Patek Philippe Nautilus

Das Armband der neuen 5711/1A wird mit einer Doppelfaltschließe geschlossen, die zusätzlich mit einem Sicherheitsbügel gesichert wird. Die Optik der Doppelfaltschließe ist natürlich bedeutend ansprechender und entspricht den heutigen Erwartungen an eine moderne Luxusuhr. Bei beiden Armbändern ist auf dem Sicherheitsbügel das Patek Philippe Logo eingraviert.

Patek Philippe Nautilus

5711/1A

Patek Philippe Nautilus

Welche Nautilus?

Der Preisunterschied zwischen der Vintage Nautilus 3700/1A und der 5711/1A von Patek Philippe ist heute größer als je zuvor. Die Kaufentscheidung hängt deshalb überwiegend von den finanziellen Ressourcen oder der persönlichen Schmerzgrenze ab. Im Grunde kann man mit beiden Uhren nichts falsch machen. Puristen entscheiden sich aufgrund des leicht unterschiedlichen Gehäuses, Uhrwerks und Zifferblatts eventuell eher für die Nautilus mit der Referenz 3700/1A. Wenn Sie sich für das Design, die Geschichte und das perfekte Gesamterlebnis einer Nautilus begeistern, aber nicht über die Ressourcen verfügen oder etwas vor dem Vintage-Paket zurückschrecken, dann werden Sie sich eventuell eher für die moderne Nautilus 5711/1A entscheiden.

Nachstehend finden Sie einen Überblick über die Wertentwicklung der Nautilus Referenzen. Der Artikel stammt aus dem Chrono24 Magazin und wurde erst kürzlich von mir verfasst.

Patek Philippe Nautilus value development

Dieser Artikel erschien erstmals am 23. Mai 2013 bei Fratello und wurde am 29. September 2018 mit neuen Fakten, Informationen und Abbildungen überarbeitet.