In unserer Interview-Reihe auf fratello.de stellen wir Ihnen verschiedene Uhrenenthusiasten vor. Heute ist es Theo Theodoridis von Zeigr.com.

Daniel Müller: Kannst Du dich kurz vorstellen und wie Du zum Thema Uhren gekommen bist?

Theodossios Theodoridis: Klar, mein Name ist Theodossios Theodoridis. Ich komme aus Hamburg und betreibe seit 2013 den deutschsprachigen Uhren-Blog ZEIGR.com. – Und das Thema Uhren begleitet mich seit jeher. Schon als Kind musste man Wecker vor mir verstecken, weil ich derart von ihnen fasziniert war, dass ich immer mit ihnen spielen wollte. Der eine oder andere soll dabei auch kaputt gegangen sein. Im Teenager-Alter folgte das Sammeln von Swatch-Uhren, gefolgt von Casio G-Shocks im Studenten-Alter. Und genau diese Uhren bzw. Casio durfte ich später sogar in einer PR-Agentur betreuen. Das war mein erster beruflicher Kontakt mit der Uhrenbranche.

Um das Jahr 2000 herum begann ich mich für Vintage-Uhren zu interessieren und kaufte immer mal wieder welche auf ebay. Anfangs waren es günstige alte Uhren. Meist im zweistelligen Preisbereich – maximal um die 100 Euro. Darunter auch zwei Vintage Omega Seamaster Quartz, die heute noch in meiner Sammlung sind:

Theo-Fratello-Watches-Interview

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Dann ist es irgendwann „eskaliert“. Es wurden immer mehr Vintage-Uhren, ich gab zunehmend mehr Geld aus und steigerte mich in das Thema hinein. Entsprechend recherchierte ich oft im Netz und stieß auf diverse Artikel, Infos und Blogs. In der Regel englischsprachig. Fratellowatches war natürlich auch dabei. Irgendwann kam dann der Gedanke eines eigenen deutschsprachigen Uhren-Blogs. Den trug ich bestimmt zwei Jahre mit mir rum. 2013 habe ich dann einfach mit ZEIGR als „One-Man-Show“ losgelegt. Und hier bin ich nun.

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DM: Was ist eine besondere Uhr in Deiner Sammlung und warum?

TT: Besondere Uhren in meiner Sammlung haben meist etwas mit Erinnerungen zu tun. Da wäre zum Beispiel eine sehr „billige“ Buler Grand Prix, die mich an meine Kindheit erinnert. Sie ist auch die erste Uhr ist, die ich auf ZEIGR vorgestellt habe.

Und dann wäre da noch eine Sinn 144 GMT, die ich von Helmut Sinn gekauft habe, nachdem ich ihn 2012 interviewen durfte. Es sind sicherlich nicht die teuersten Uhren – aber sie haben eine Bedeutung für mich.

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DM: Magst Du moderne oder Vintage-Uhren?

TT: Beides. Allerdings mag ich Uhren, die eher klassisch, schlicht oder nützlich konzipiert sind. Ob modern, vintage oder retro ist mir dabei relativ gleich. – Wenn aber mit modern avantgardistisch gemeint ist – nun ja, da kann ich manchem Uhren-Designer und Uhrenhersteller nicht immer folgen. Man kann es in Sachen Innovation und Design schnell mal übertreiben — und da bin ich meistens raus.

DM: Wenn Du keine finanziellen Einschränkungen hättest, was wäre Deine drei-Uhr Traumkollektion?

TT: In dem Fall würde ich nicht unbedingt nach den teuersten Uhren der Welt suchen, sondern nach denen von (wirklich) großen, historischen Persönlichkeiten. Drei, die mir spontan einfallen: Nelson Mandela, der Dalia Lama und Gandhi. Tatsächlich würde mir aber auch schon eine Uhr dieser Persönlichkeiten reichen. Wobei es recht schwierig sein dürfte, überhaupt an diese besonderen Stücke zu kommen. Ich bezweifle, dass das eine reine Geldfrage ist. Der Dalai Lama soll übrigens eine schöne Sammlung haben und seine Uhren – allesamt Geschenke – selber warten und reparieren. Großartig.

DM: Magst Du Komplikationen bei Uhren und wenn ja, welche ist Dein absoluter Favorit?

TT: Ja, aber nicht jede. Am liebsten mag ich nützliche Komplikationen, die zeitgemäß und im Alltag einsetzbar sind. Das beginnt bei einer einfachen drehbaren Lünette mit Minuten-Einteilung, einem Datum oder einer GMT-Funktion. Einem Tourbillon kann ich persönlich nicht viel abgewinnen – einem Ewigen Kalender schon. Und tatsächlich habe ich ein besonderes Faible für Triple-Date-Uhren – mit und ohne Chronograph.

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DM: Hast Du eine Grals Uhr und kannst Du uns etwas über sie erzählen?

TT: Nicht wirklich. Denn gäbe es eine und ich würde ich sie irgendwann erreichen, wäre meine Sammelleidenschaft wahrscheinlich zu Ende. Es wäre gewissermaßen meine Exit-Watch. Das wäre doch schade, oder?

DM: Was sind Deine Vorlieben und Abneigungen gegenüber der heutigen Uhrenindustrie?

TT: Mir gefällt vor allem die Vielfalt der Uhren, die jedes Jahr auf den Markt kommen. Das gilt vor allem für die vielen neuen Uhrenmarken bzw. Microbrands, die seit einigen Jahren überall auftauchen und frischen Wind in die Branche bringen. Der ist definitiv nötig.

Eine gewisse Abneigung kommt bei mir dann auf, wenn Branchenvertreter und Hersteller mit seit Jahrzehnten abgedroschenen Marketing-Floskeln, Stories und Plattitüden um sich werfen und ihre potenzielle Kundschaft (inklusive Blogger) für, sorry, dumm verkaufen möchten. Das Niveau und der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen sind mitunter erstaunlich niedrig. Darunter leidet nicht nur die Glaubwürdigkeit einzelner Marken, sondern die der gesamten Branche
Aber so ist es nun mal: Gier frisst Hirn. Und in der Uhrenbranche geht es um sehr viel Geld. Für den schnellen Erfolg muss man aber – zumindest nach meiner Auffassung – nicht alles mitmachen. Das gilt übrigens auch für uns Uhren-Blogs und die Fachmedien.

Allerdings möchte ich hier kein zu negatives Bild zeichnen. Es gibt dann doch den einen oder anderen Hersteller und diverse Branchenvertreter, die ein gewisses Niveau an den Tag legen, langfristig denken, vernünftig agieren und kommunizieren. Zum Glück.

DM: Welche Uhrenmarke wird Deiner Meinung nach unterschätzt und unterbewertet?

TT: Gute Frage. Da gibt es einige in der zweiten und dritten Reihe, die in Frage kämen. Aus Deutschland: Mühle Glashütte hat sich in letzter Zeit gut gemacht. Vor allen mit den frischen und – für eine Glashütter Uhrenmarke – erschwinglichen Panova-Modellen.

Aus der Schweiz: Die Swatch Group hat einige Marken wie zum Beispiel Longines, Certina und Union Glashütte, die noch nicht komplett überteuert sind und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Immer noch unterschätzt sind japanischen Hersteller. Seiko holt zwar dank Grand Seiko gut auf, Citizen hingegen läuft noch immer stark unter dem Radar. Und damit meine ich auch die dazugehörenden Marken Alpina, Bulova und Frederique Constant.

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DM: Kannst Du uns etwas über Deine aktuellen oder zukünftigen Projekte mitteilen?

TT: Was aktuelle Projekte angeht: Neben ZEIGR betreibe ich noch einen Online-Shop, in dem es handgefertigte Lederbänder Made in Germany gibt.

Außerdem bin ich hin und wieder Gastautor und schreibe für andere (Uhren-)Publikationen. Aktuell zum Beispiel für das Chrono24-Magazin. Und was zukünftige Projekte angeht: Da ist tatsächlich das eine oder andere angedacht — aber leider noch nicht spruchreif.

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DM: Zum Abschluss: Was würdest du Leuten, die neu in das Thema Uhren und Uhren sammeln eintauchen, als Ratschlag mit auf den Weg geben?

TT: Klein anfangen, sich Zeit lassen und zu Beginn nicht allzu viel Geld ausgeben. Das Sammeln von Uhren muss man – wie viele andere Dinge im Leben – einfach erlernen. Und vor allem selbst erfahren. Wer mit dem Sammeln beginnt, zahlt oft ein Lehrgeld. Erst recht, wenn es um gebrauchte und Vintage-Uhren geht. Das ist nicht weiter schlimm – jeder Sammler hat so angefangen. Nur sollte das Lehrgeld nach meinem Empfinden möglichst gering ausfallen.

Oder anders: Wer keine Ahnung von Vintage-Uhren hat, aber gleich nach Modellen im vier- und fünfstelligen Bereich schaut und dabei auf irgendwelche Tipps von (nicht versierten) Freunden und Bekannten hört oder irgendeinem Hype bzw. Trend folgt, geht ein recht großes Risiko ein. Wer sich das leisten kann – gut. Für alle anderen: Lieber ein wenig Geduld und Zeit mitbringen und gründlich recherchieren. Und nicht alles glauben, was einem so erzählt wird. Immer kritisch und vorsichtig bleiben – bei aller Leidenschaft in Sachen Uhren.

Lesen Sie hier unser aktuelles Review von gestern Watch Strap Review 43. — Straps By Zeigr From Germany (auf Englisch), in dem sich unser Autor Balazs mit den Armbändern von Theo auseinandergesetzt hat.