Zwei unterschiedliche Preise, zwei unterschiedliche Stile, und dennoch bittet uns ein Leser, ihm bei der Entscheidung zu helfen. Die Longines HydroConquest war früher schon einmal Gegenstand einer Frage in dieser Rubrik. Hier tritt die beliebte und preisgünstige Uhr jedoch gegen eine Marke aus demselben Stall an: eine Tissot. Die Tissot Powermatic 80 Seastar1000 ist ein wenig günstiger und sieht etwas anders aus. Es läuft also auf eine Frage des Geschmacks und, vielleicht, der technischen Spezifikationen hinaus.

Sie haben uns gefragt: Tissot Powermatic 80 Seastar 1000 oder Longines HydroConquest?

Unser Leser Amar stellte uns eine Frage zur Tissot Powermatic 80 und zur Longines HydroConquest aus dem Jahr 2018. Unter anderem schrieb er: “Die Tissot ist ein wenig günstiger, hat aber 80 Stunden Gangreserve und ein Sichtgehäuse. Die Longines ist eine Stufe höher angesiedelt als die Tissot.”

Taucheruhren von Tissot und Longines

Amar hat nicht gesagt, welches Tissot-Modell er genau meint. Seine Angabe Powermatic 80 bezeichnet nur das verwendete Uhrwerk. Tissot bietet auch eine Taucheruhr mit dem Kaliber Powermatic 80 an. Ich gehe deshalb davon aus, dass er diese Uhr meint. Ich spreche von der Tissot Powermatic 80 Seastar 1000.

Die Tissot Powermatic 80 Seastar 1000 und die Longines HydroConquest sind Taucheruhren. Beide Marken gehören zur Swatch Group. Recht hat Amar mit seiner Einschätzung, dass die Longines ein wenig oberhalb der Tissot anzusiedeln ist. Die Swatch Group achtet in der Regel darauf, dass die Marken so ‘gestaffelt’ sind, dass sie sich nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Da sind zum Beispiel Certina, Tissot, Longines, Rado, Omega, Blancpain, Glashütte Original, Breguet und noch ein paar andere. Omega fängt da an, wo Longines mit seinem Verzicht auf Manufakturwerke aufhört; Blancpain und Glashütte Original haben Funktionen, die Omega nicht hat, beispielsweise ewige Kalender, Minutenrepetition und Ähnliches mehr. Bevor sich die jetzige Swatch Group diese Marken einverleibte, war das natürlich anders.

Tissot wie auch Longines sind innerhalb der Swatch Group große Marken. Wir kennen die Produktionszahlen von Tissot nicht genau. Der CEO von Longines, Walter von Känel – hier in unserem Interview – sprach uns gegenüber aber einmal von einer Jahresproduktion von 1,3 Millionen Uhren.

In Bezug auf das Kaufbudget klafft eine ziemliche Lücke zwischen den beiden Uhren. Der Listenpreis der Tissot Powermatic 80 Seastar 1000 liegt bei 695 Euro, während die Longines HydroConquest 1.400 Euro kostet. Die nicht-keramische Longines HydroConquest liegt bei etwas freundlicher wirkenden 1.070 Euro. Allerdings hatte Amar speziell nach dem Modell von 2018 gefragt.

Tissot Powermatic 80 Seastar 1000

Technische Unterschiede

Der Preisunterschied kommt natürlich nicht von ungefähr. Die Tissot ist vor allen Dingen wegen der 80-Stunden-Gangreserve eine interessante Wahl. Dafür tickt in der Longines das Kaliber L888.2. Longines fertigt bekanntlich keine eigenen Uhrwerke. Das L888.2 basiert daher auf einem ETA2892-A2-Kaliber mit einer Gangreserve von 64 Stunden. Dieses ETA-Kaliber ist grundsolide und fand deshalb auch Verwendung bei vielen anderen Marken. So war es beispielsweise in früheren Versionen der Omega Seamaster 300M und in einigen Uhren von IWC verbaut, bevor diese selbst Uhrwerke entwickelten und produzierten. Das Uhrwerk der Tissot Powermatic 80 basiert auf dem ETA-Kaliber 2824-2. Auch wenn es nach kleinen Änderungen mit einer größeren Gangreserve aufwartet, ist es doch eine Stufe unter dem ETA2892-A2 einzuordnen und damit günstiger. Das liegt primär an der Konstruktion, dem verwendeten Material und am Finish. Es ist immer ein großartiges Uhrwerk, das von vielen Uhrenherstellern genutzt wird, aber es erklärt zum Teil den Preisunterschied. Amar muss entscheiden, ob ihm das wichtig ist.

Tissot Powermatic 80 Seastar 1000

Beide Uhren sind mit kratzfesten Keramiklünetten ausgestattet. Longines wählt das Attribut ultra-beständig. Ich habe eher den Eindruck, dass da die Marketingabteilung etwas zu enthusiastisch war. Richtig ist allerdings, dass Keramik die Lünette kratzfest macht. Das ist wichtig, weil die Lünette bei einer Taucheruhr in der Regel schon immer mal wieder ein paar Schläge abbekommt. Ein anderes Problem, das bei den weiter verbreiteten und günstigeren Aluminiumlünetten auftritt, sind verblassende Farben. Keramiklünetten sehen diesbezüglich dagegen immer aus wie neu.

Gute Uhren

Longines und Tissot können als Marken auf eine beachtliche Geschichte zurückblicken. Die Namen ‘Seastar’ und ‘Conquest’ gibt es auch schon sehr lange. Die von Amar genannten Uhren sind jedoch moderne Modelle, die mit ihren Vorfahren wenig gemein haben. Auch wenn man sich leicht in den technischen Details verliert, können Sie sicher sein, dass beide einfach gute Uhren sind. Als ausgewachsene Taucheruhren halten sie Tauchtiefen bis 300 Meter oder einem Wasserdruck bis etwa 30 bar stand. Für Taucher sind die einseitig drehbare Lünette und die mit Super-LumiNova beschichteten Indizes und Zeiger vielleicht die wichtigsten Details.

Kein durchsichtiger Gehäuseboden bei der Longines

Amar kann seine Wahl daran orientieren, was ihm wichtig ist. Ich möchte ihm nicht sagen, wie viel Geld er ausgeben soll. Ich persönlich würde mich wohl für die Longines entscheiden. Das liegt aber einfach daran, dass mir das graue Zifferblatt und das Band der HydroConquest besser gefallen. Das auf dem ETA2892-A2 basierende L888.2 finde ich natürlich besser. Aber dafür zahlt man auch entsprechend. Ich beschäftige mich schon lange genug mit Uhren, um für mich persönlich zu wissen, dass ich ein gutes – oder besseres – Uhrwerk einem Einsteiger-Uhrwerk vorziehe. Die Gangreserve bei einem Automatikwerk ist für mich nicht so erheblich. Ich trage meine Uhren nicht durchgängig über längere Zeiträume. Solange sie sich selbst aufziehen, wenn ich sie trage, reicht mir das völlig. Gleichwohl ist die Tissot Powermatic 80 Seastar 1000 eine attraktive Uhr zu einem attraktiven Preis. Beide Uhren gibt es in 43 mm, die Longines auch in 41 mm.

Alternativen

Abschließe möchte noch ein paar Alternativen zur Tissot und zur Longines vorschlagen. In der Preisklasse bis 1.400 Euro könnte auch eine gebrauchte Oris Aquis interessant sein, die man für dieses Geld sicher bekommen kann. Eine andere Alternative wäre eine neue Seiko Prospex SPB077J1 mit einem Listenpreis von 1.100 Euro.

Weitere Informationen zur Seastar 1000 können Sie auf der offiziellen Tissot-Website finden. Die HydroConquest Modelle des Jahres 2018 finden Sie hier, auf der Longines-Website.