Hier ein etwas romantischer Gedanke: Piloten, Gott segne sie, sind allesamt besessen von teuren Luxusuhren. Und zwar in der Tat so sehr, dass eine ganze Kategorie von Armbanduhren nach ihnen benannt wurde. Aber dies stimmt doch nicht wirklich, oder doch? Unterziehen wir diese Annahme also einem kleinen Realitätstest, damit wir diese interessante Frage vom Briefkasten ins Altpapier befördern zu können, wo sie hingehört.

Heutige Piloten tragen nicht ausschließlich Fliegeruhren. Piloten sind zum einen unglaublich wichtige Säulen jeder Gesellschaft, in der Flugreisen eine zentrale Rolle spielen, aber sie sind außerdem noch eines, nämlich Menschen. Normale Leute. Sie tragen, was auch immer ihnen gefällt. Und nein, das ist kein Scherz – so ist es wirklich. Die meisten Flugzeuge haben Control Panels voller nützlicher Geräte, die Piloten beim Fliegen und Landen helfen. Und aus diesem Grund ist es viel wahrscheinlicher, dass sie Uhren tragen, die ihnen eher im Privatleben zur Seite stehen als im Berufsleben.

Wäre nicht mit großer Sicherheit … Quarz deutlich besser geeignet?

Durch diese Logik könnte man zu der Annahme verleitet werden, dass die wohl häufigste Komplikation am Handgelenk eines Piloten eine GMT ist. Das ist eine vernünftige Vermutung, aber für Kurzstrecken-Piloten nicht sonderlich nützlich. Trotzdem kann es nicht schaden, seiner Zeit weltweit voraus zu sein, wenn die eigene Branche damit beschäftigt ist, Menschen von einem Erdteil in einen anderen zu befördern, aber erfordert dies wirklich eine mechanische Uhr? Wäre nicht mit großer Sicherheit für die meisten echten Piloten eine preisgünstige, verspielte Uhr und – am allerwichtigsten – eine Quarzuhr deutlich besser geeignet?

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Ein Genre aus einer anderen Zeit

„Pilotenuhren“ oder „Fliegeruhren“ sind große, gut lesbare Uhren, die von den Anfängen der Luftfahrt inspiriert sind, als so etwas wie eine Armaturenbrettuhr noch keine Selbstverständlichkeit war. Piloten fingen während des Ersten Weltkrieges an, diese Uhren en masse zu tragen. In diesem Zusammenhang war eine präzise Zeitmessung essentiell für die Nachverfolgung von Manövern und die Schätzung der zurückgelegten Entfernung. Es wurden große Kronen und später auch Drücker angebracht, damit sie auch mit Handschuhen einfach gegriffen und bedient werden konnten. Aber diese Zeiten gehören schon lange der Vergangenheit an. Die Designcodes früher Fliegeruhren sind geblieben, haben aber rein gar nichts mit den heutigen Pilotenuhren zu tun.

Eine Ära der Inspiration

Die Ära mit der wohl größten Inspiration für die Mode der heutigen Fliegeruhren ist die Blütezeit der Flugreisen – die 1950er und 1960er Jahre. Es war das goldene Zeitalter des Lebens über den Wolken. Die Welt erstrahlte im Optimismus und war kleiner als je zuvor. Klassische Uhren – also solche, die an den Geist der Luftfahrt erinnern – hatten ihre Anfänge in diesen Jahrzehnten. Die Universal Geneve Polerouter, die Rolex GMT Master und die Breitling Navitimer, um nur drei zu nennen. Diese Klassiker haben aus einem bestimmten Grund überdauert. Es sind heitere Uhren. Sie sind nicht umgeben von der Schwere der Erinnerung an Krieg und Entbehrungen. Diese Uhren wecken in uns den Wunsch zu fliegen.

… andere bevorzugen die elektronische Zuverlässigkeit von Casio oder Timex …

Die modernen Wiederholungen der Navitimer und der GMT Master (II) sind selbstverständlich Bestseller. Und ja, sie sind bei Piloten beliebt – ebenso wie beide Marken im Allgemeinen. Allerdings arbeiten sich viele andere Marken vor, um ans Handgelenk waschechter Piloten zu gelangen. Manche lieben Omega und Fortis als mechanische Alternativen, andere bevorzugen die elektronische Zuverlässigkeit von Casio oder Timex …

Erlaubt ist, was gefällt

Die Wahrheit ist, dass Piloten im Cockpit und Piloten in der Piloten-Lounge zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Ein Flugzeug zu steuern ist eine ernste Angelegenheit und professionelle Geräte für diesen Zweck (wie zum Beispiel die Breitling Aerospace) werden hier im Vergleich zu eher hommageartigen Uhren, wie der wunderschönen, unten abgebildeten Laco, oder einem Großteil des renommierten IWC-Sortiments, immer besser abschneiden. Aber diejenigen unter uns, die von der Geschichte der Luftfahrt fasziniert sind, von ihren düsteren, oftmals blutigen Wurzeln, werden an diesen gut lesbaren, kompromisslos praktischen Uhren immer Gefallen finden. Erwarten Sie bitte nur nicht, bei Ihrem nächsten Flug von Berlin nach London eine solche Uhr am Handgelenk Ihres Easyjet-Piloten zu sehen (obwohl man ja nie wissen kann) …

Laco-Erbstuck-Pilot-Watch

Berichten Sie uns gerne von Ihren Lieblings-Reiseuhren und von Geschichten echter Piloten, die Sie kennen oder getroffen haben und von ihren Uhren. Oder noch besser: Wenn Sie selbst Pilot sind, dann plaudern Sie doch gerne aus dem Nähkästchen! Und erzählen Sie uns auch gerne, welche Uhren Ihre Kollegen gerne tragen, wann sie sie tragen und weshalb.