In der ersten Märzwoche stellte Seiko drei neue Uhren in limitierter Edition vor, um das 55-jährige Jubiläum der Seiko-Taucheruhren zu feiern. Als die Uhren erschienen, hatte man sofort einiges darüber zu sagen – wie üblich, bei den Neuerscheinungen von Seiko-Taucheruhren, die einige der kultigsten Modelle überhaupt zelebrieren. Seiko entschied, drei unterschiedliche Neuauflagen legendärer Seiko-Divers aus dem ersten Jahrzehnt ihrer Taucheruhren zu lancieren. Die erste dieser drei Uhren ist die Seiko SLA037J1 55th Anniversary, die diesen Monat offiziell veröffentlicht wird. Es ist die moderne Neuinterpretation der legendären Taucheruhr von 1965. Beschäftigen wir uns nun mit der Frage, wie sie im Vergleich zum Original und zu den vorherigen Neuauflagen abschneidet.

Ich liebe die Diskussionen, die Seiko-Editionen heraufbeschwören. Nicht nur, weil es viel zu besprechen gibt, wenn es um die Uhren geht. Sondern auch, weil die leidenschaftliche Reaktion zeigt, dass den Leuten wirklich viel an der Marke liegt. Und es sind nicht allzu viele Marken, bei denen die Leute so viel Herzblut an den Tag legen, ganz egal, in welcher Preiskategorie sich ihre Seiko bewegt.

Wiederkehrende Themen im Zusammenhang mit den Neuauflagen wie der SLA037J1 sind offenbar der Vergleich zwischen Vintage und der modernen Variante sowie die Frage, ob der Preis der modernen Edition gerechtfertigt ist. Seiko liefert uns für diese Punkte mit der Veröffentlichung der Seiko SLA037J1 jede Menge Gesprächsstoff.

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Der erste Eindruck

Der erste Aspekt, der mir bei den 55th Anniversary Modellen auffiel, war das Blau. Insbesondere der blaue Farbton, den Seiko für Zifferblatt und Armband gewählt hat. In den Werbebildern, wo man alle drei Modelle zusammen sieht, war der Farbton ein dunkles, elegantes Blau. Aber die Einzelfotos der Uhren zeigen ein helleres Graublau.

Tatsächlich ist aber der Farbton ein wenig heller als auf den Werbebildern. Es ist kein Standardblau, das man so oft an Uhren sieht, und ich muss sagen, dass es mir sehr gut gefällt. Es passt sehr gut zum Stil der Uhr. Ein großes Kompliment also an Seiko für die Wahl dieser fantastischen Farbe für die 55th Anniversary Kollektion, die die Uhren nobel aussehen lässt. Nachdem ich die Farbe auf mich hatte wirken lassen, schossen mir die bereits erwähnten, wichtigeren Fragen durch den Kopf, die auch viele Seiko-Liebhaber beschäftigen.

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Modern vs. Vintage

Die erste Frage hinsichtlich Vintage-Uhr versus moderne Variante ist sehr persönlich, wie Robert-Jan in seinem Vergleich der Vintage-Seiko 62MAS – die Taucheruhr von 1965, wie wir sie kennen – und der vorherigen modernen Neuinterpretation von 2017, der SLA017, gezeigt hat. Es geht hier darum, mit welcher Geschichte man eine engere Verbindung hat.

Sind Sie jemand, der ein entscheidendes Stück Uhrmachergeschichte besitzen möchte oder bevorzugen Sie eben diese prägende Geschichte als Neuauflage mit modernen Standards? Ich bevorzuge die komplette Geschichte, weshalb ich am Ende am liebsten beide besitzen möchte. Neueste Hinweise haben allerdings gezeigt, dass dies ein recht kostspieliges Unterfangen sein könnte.

Aktuell sind die Preise für eine Vintage-62MAS im Vergleich zu vor drei Jahren deutlich höher. Dadurch ist der Kauf einer Vintage-Version viel teurer, und abgesehen davon auch schwierig, weil nicht so viele erhältlich sind.

Wenn man sich im Vintage-Lager befindet, bedeutet dies also, deutlich mehr für die kultigen Uhren aus den 1960er Jahren ausgeben zu müssen.

Wenn Sie eine Vintage-62MAS finden können, müssen Sie aktuell mindestens 4.000 € bis 5.000 € einplanen, um eine Uhr kaufen zu können – unabhängig von ihrem Zustand. 2017 lag der Preis irgendwo zwischen 2.000 € und 4.000 €, wie Robert-Jan erwähnt hatte. Demzufolge heißt es für Vintage-Fans, dass man deutlich mehr Geld für eine der Kultuhren aus den 1960ern ausgeben muss.

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Der Preis der SLA037J1

Die Preise der jüngsten modernen Neuinterpretationen waren ebenfalls Gesprächsthema umfangreicher Diskussionen. Wie Sie in Robert-Jans Rezension der SLA017 lesen können, hatte die Uhr einen Verkaufspreis von 3.800 €, als sie 2017 vorgestellt wurde. Für eine Seiko-Uhr ist dies viel Geld. Und viele Seiko-Fans brachten diesen Preis lautstark zur Sprache. Dennoch gingen alle 2.000 vorhandenen Uhren weg wie warme Semmeln. Und wenn Sie jetzt eine kaufen möchten, dann stellen Sie sich darauf ein, mindestens 1.000 € mehr zu bezahlen.

Der allgemeine Preisanstieg bei sowohl Vintage-Uhren als auch modernen Neuauflagen zeigt die Anerkennung, die viele der Geschichte der 1965 Diver entgegenbringen. Doch sind diese Preise nicht repräsentativ für das Gefühl, mit dem viele Seiko-Fans aufgewachsen sind – nämlich mit Seiko als erschwingliche Marke –, was uns zur SLA037J1 bringt, weil Seiko beschlossen hat, uns mit der modernen Neuschöpfung der 62MAS zu überraschen.

Ist Seiko mit diesem Preis übers Ziel hinausgeschossen?

Ist Seiko mit diesem Preis übers Ziel hinausgeschossen? Der Verkaufspreis der SLA037 liegt bei 6.500 €. Es fehlen also gute 300 Euro, um 3.000 Euro teurer als die SLA017 von vor drei Jahren zu sein. Natürlich goss das für viele Öl ins Feuer. Ist Seiko mit diesem Preis übers Ziel hinausgeschossen? Ganz bestimmt, wenn die SLA037J1 die gleiche Uhr wie die SAL017 gewesen wäre. Das war sie aber nicht. Seiko beschloss, für die SLA037J1 noch eine Schippe draufzulegen.

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Die legendäre Seiko 62MAS

Die SLA037J1 hat ihr Aussehen vom legendären Original von 1965, aber wie wir bei der SLA017 sehen konnten, änderte Seiko einige Details, um die Uhr zu einer modernen Neuinterpretation des Originals zu machen. Hier nur eine kurze Erinnerung daran, was das Original war – wenn Sie mehr über das Original lesen möchten, dann finden Sie hier Michaels ausführlichen Artikel über seine 62MAS.

Seiko stellte die Referenz 6217-8000/1 vor, besser bekannt als die Seiko 62MAS (autoMAtic Selfdater), und zwar als ihre erste Taucheruhr, die sich 1965 an den professionellen Markt richtete. Die 37 mm große Uhr zeichnete sich durch ihr graues Zifferblatt mit Sonnenschliff und durch ein stilvolles Gehäuse mit eindrucksvollen Bandanstößen aus. Die 62MAS hatte eine Datumsfunktion, eine bidirektionale Lünette, mit Leuchtmasse gefüllte Zeiger und applizierte Marker sowie eine große Krone auf 3 Uhr.

Es ist die einzige professionelle Seiko-Taucheruhr mit dieser Eigenschaft, weil die Krone bei allen Nachfolgemodellen auf 4 Uhr gerückt wurde. Die Uhr war bis zu 150 m wasserfest und wurde durch das Seiko-Kaliber 6217 betrieben. Es ist ein nicht-hackendes Uhrwerk, das mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde tickt und über eine Datum-Schnellkorrektur verfügt.

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Und 55 Jahre nach der Neuvorstellung sieht die Uhr immer noch toll aus

Die 62MAS trägt voller Stolz den typischen Look der 1960er, der alle nachfolgenden Seiko-Taucheruhren inspirierte. Und 55 Jahre nach der Neuvorstellung sieht die Uhr immer noch toll aus und ist genau das, was wir als die archetypische Taucheruhr-Ästhetik kennen. Wenn Sie eine Vintage-62MAS ans Handgelenk anlegen, dann werden Sie schnell feststellen, dass ihr Look einen unglaublichen Kultfaktor hat. Und noch dazu trägt sich die Uhr sehr angenehm. Sowohl im Durchmesser als auch in ihrer Höhe sitzt die Uhr bei vielen perfekt.

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Details der SLA037J1

Als moderne Neuauflage der 62MAS entspricht das Design der neuen SLA037J1 dem des Originals. Alle Elemente, die der 62MAS Ikonenstatus verliehen haben, finden sich bei der SLA037J1 wieder. Seiko arbeitete mit höchster Präzision, um ein Design mit großer Nähe zum Original zu erzielen. Wie wir jedoch bei der SLA017 gesehen haben, entschied Seiko sich für eine minimale Vergrößerung des Gehäuses auf 39,9 mm, mit einem Abstand von 48 mm zwischen den Bandanstößen. Die Dicke liegt bei bemerkenswerten 14,7 mm, was allerdings größtenteils dem gewölbten Saphirglas geschuldet ist. Und die Uhr ist bis zu 200 m wasserfest, was im Vergleich zum Original von 1965 zusätzliche 50 m sind.

Trotz anderer Zifferblattfarbe und anderem Armband sieht die SlA037J1 fast wie die SLA017 aus. Aber lassen Sie sich von der optischen Ähnlichkeit nicht täuschen. Seiko verwendete für die SLA037J1 andere Materialen und ein anderes Uhrwerk. Für das Gehäuse der Neuinterpretation verwendete Seiko den hauseigenen „Ever-Brilliant Steel“. Diese Legierung ist korrosionsbeständiger als regulärer 316L-Edelstahl und hat einen eher weißlichen Glanz. Die Verwendung des Materials ist ein Novum in der Branche und eignet sich aufgrund seiner korrosionsbeständigen Eigenschaft perfekt für eine zeitgenössische Taucheruhr.

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Das 8L55-Uhrwerk

Bei einem Blick auf das blaue Zifferblatt werden Sie schnell den anderen großen Unterschied im Vergleich mit der SLA017 bemerken. Das Wort „HI-BEAT“ zeigt, dass das für die SLA037J1 verwendete Uhrwerk anders als das der SLA017 ist. Seiko entschied sich 2017 für die Verwendung des Seiko-Kalibers 8L35 für die vorherige Neuauflage. Etwa in dieser Zeit entschloss die Marke, das Hi-Beat-Kaliber 8L55 für die neueste Edition der 62MAS zu verwenden.

Das Seiko-Kaliber 8l55 ist ein Hi-Beat-Uhrwerk mit automatischem Aufzug, das dem Grand Seiko Kaliber 9S85 sehr ähnlich ist, aber weniger Feinbearbeitung beinhaltet und auf einen geringeren Ganggenauigkeitsstandard eingestellt ist. Für die SLA037J1 gibt Seiko eine Genauigkeit von +15/-10 Sekunden pro Tag an, während die Grand Seiko eine Genauigkeit von +5/-3 Sekunden pro Tag hat. Aber wie wir Seiko kennen, ist man mit dieser angegebenen Ganggenauigkeit auf der sicheren Seite.

Aber wie wir Seiko kennen, ist man mit dieser angegebenen Ganggenauigkeit auf der sicheren Seite.

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Das Kaliber 8L55 wurde für Seikos erstklassige Taucheruhren entwickelt. Es tickt mit einer Geschwindigkeit von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, hat 37 Steine und 55 Stunden Gangreserve. Wir haben das gleiche Uhrwerk bei der viel gelobten Neuauflage der Diver (SLA025) von 1968 gesehen, die 2018 vorgestellt wurde. Die Neuedition der Diver (SLA039J1) von 1968, die ebenfalls Teil der 55th Anniversary Trilogie ist, hat auch das gleiche Uhrwerk.

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Tragegefühl der SLA037J1

Sämtliche Spezifikationen beiseite – es ist Zeit, sich der emotionalen Tragweite der SLA037J1 zuzuwenden. Die erste Auffälligkeit ist der hohe Tragekomfort der Uhr am Handgelenk. Es ist eine Kombination aus der perfekten Gehäusegröße und dem unglaublichen blauen Silikonarmband. Diese moderne Silikonreproduktion von dem, was wohl vor 55 Jahren ein Tropic-Strap gewesen wäre, braucht keinerlei Eintragezeit und ist vom ersten Moment an angenehm zu tragen.

Sobald sie sich am Handgelenk befindet, sticht die Feinbearbeitung der Uhr ins Auge.

Sobald sie sich am Handgelenk befindet, sticht die Feinbearbeitung der Uhr ins Auge. Seiko hat eine Kombination aus kreisförmig gebürsteter Veredelung für die Oberfläche des Gehäuses und Zaratsu-Polierung für die Seiten angewendet. Durch das Zusammenspiel von beidem ist es ein Vergnügen, die Uhr anzuschauen.

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Die gleiche hervorragende Feinbearbeitung findet sich auch bei den polierten Stundenmarkern sowie den Zeigern – beide sind gefüllt mit Seikos Lumibrite – und dem polierten Metallrahmen um die Datumsanzeige. Durch diese Details wird deutlich, dass dies nicht nur irgendeine Seiko-Taucheruhr ist, sondern eine besondere Neuerscheinung für den echten Seiko-Sammler.

..und ich habe mich schnell dabei ertappt, wie ich die Uhr nur widerwillig wieder von meinem Handgelenk abnehme.

Beim Tragen der SLA037J1 stellte ich schnell fest, dass die wahre Schönheit der Uhr am besten bei Sonnenlicht zu Tage tritt. Die Kombination der Farben, des Zifferblattdesigns und der Feinbearbeitung sieht an einem schönen sonnigen Tag im Freien umwerfend aus. Genau dann merkt man am besten, dass es sich hier nicht um irgendeine weitere Seiko-Uhr handelt. Seiko hat viele Gedanken und Details in die Ausführung der SLA037J1 investiert und ich habe mich schnell dabei ertappt, wie ich die Uhr nur widerwillig wieder von meinem Handgelenk abnehme.

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Im größeren Zusammenhang betrachtet

Womit wir zurück beim Beginn dieses Artikels wären. Kann diese neue Seiko SLA037J1 mit dem Gefühl einer Vintage-Seiko 62MAS mithalten? Nachdem ich beide getragen habe, kann ich ehrlich sagen, dass das Gefühl vollkommen anders ist. Wenn Sie eine Vintage-62MAS am Handgelenk tragen, dann werden Sie sofort an die unglaubliche Geschichte dieser Uhr erinnert. Es fühlt sich an, als ob Jahrzehnte von Uhrgeschichte direkt zu einem sprechen würden. Dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen.

Nichtsdestotrotz ist die SLA037J1 nicht einfach eine weitere tolle Neuauflage der originalen Diver von 1965. Als Hommage an das Original von 1965 ist sie schwer zu überbieten. Die SLA037J1 hat mich mehr als die SLA017 von 2017 beeindruckt – und selbst das war schon eine eindrucksvolle Neuerscheinung. Wird somit der stolze Preis von 6.500 € gerechtfertigt? Beim Blick auf das Uhrwerk und das Niveau von Details und Ausführung würde ich sagen: Ja! Es geht vielmehr um die Wahrnehmung davon, eine solche Summe für eine Seiko-Uhr auszugeben. Aber ich habe keinerlei Zweifel, dass Seiko alle 1.100 verfügbaren Uhren verkaufen wird, bevor wir auch nur sämtliche Gründe niedertippen können, weshalb wir besser keine davon kaufen sollten.

Mehr Informationen finden Sie hier auf der offiziellen Seiko-Homepage.