Es gibt so manche Jahre, in denen bestimmte Marken nichts falsch machen können. Und das bedeutet noch lange nicht, dass mir persönlich jede einzelne Neuerscheinung gefällt, die Seiko dieses Jahr auf den Markt gebracht hat (absolut nicht). Aber ich muss doch lobend hervorheben, dass das Unternehmen in diesem für die Marke emsigen Jahr schon so viele Treffer gelandet hat. Und ich ertappe mich selbst dabei, wie ich Gott auf Knien dafür danke, dass sich Seiko in so unsicheren Zeiten dieser Herausforderung stellen konnte. Wie grauenvoll wäre 2020 ohne diese Vielzahl von Neuheiten gewesen? Durch Modelle wie die Seiko Prospex SRPE29 und die SRPE31 wird die Quarantäne erträglich …

Lassen Sie mich noch einmal auf meine Gefühle gegenüber den von Seiko in diesem Jahr vorgestellten Uhren eingehen. Ich hatte erwähnt, dass nicht alle von ihnen nach meinem Geschmack waren. Sie verdienen es zu wissen, was genau ich damit eigentlich gemeint habe. Ansonsten sind solcherlei Aussagen nur leere Ausreden, um einer Marke noch mehr Zucker in den Sie-wissen-schon-wohin zu blasen (wenn Marken überhaupt über eine solche Anatomie verfügen).

Eine persönliche Bemerkung

Ich bin ein Outdoor-Typ. Wenn ich nur ein Quäntchen prätentiöser wäre, würde ich mich selbst als „Naturfreund“ bezeichnen. Meinen Holzfällerbart habe ich mir allerdings zugunsten eines jugendlicheren Aussehens abrasiert und somit den gesamten Wildheitsfaktor eingebüßt. Wie dem auch sei – glattrasiert, wie ich nun bin, rufen Toolwatches bei mir Begeisterung hervor. Ich mag Dinge, die für den Gebrauch gemacht worden sind. Es ist eine Kunstform für sich, etwas Praktisches ästhetisch ansprechend zu gestalten. Seiko brilliert in dieser Disziplin.

Und so ist es keine Überraschung, dass die Seiko-Uhren, bei denen sich rein gar nichts in mir regt, größtenteils der Presage-Linie entstammen. Ich sehe ein, dass ihre Herstellung eine große handwerkliche Leistung ist, aber diese Uhren begeistern mich nur selten. Wie ich in dem letzten Artikel über die Seiko SPB171 mit dem Zifferblatt aus Arita-Porzellan erwähnt hatte, habe ich eine kleine Schwäche für eine elegante Geschichte – aber hier endet dann auch schon mein Interesse.

Seiko-Prospex-SRPE31

Für gewöhnlich will ich Charakter, Mumm und gewisse Schroffheit. Ich will Uhren, die genauso gut aussehen (oder sogar besser), wenn sie völlig verdreckt sind. Die Seiko Prospex SRPE29 und SRPE31 strotzen vor Robustheit, auch wenn sie die etwas gepflegteren Verwandten der unglaublich beliebten (und fürchterlich großartigen) SNJ029 und SNJ031 sind. Diese beiden Quarz-Monster funktionieren sofort als vom ersten Moment an akzeptierte Mitglieder des Arnie-Stammbaums (von manchen Fans liebevoll „Safarnie“-Uhren genannt). Zur Rezension liegt vor uns nun ihr automatisches Geschwisterchen. Wie also machen sie sich am Handgelenk?

Seiko-Prospex-SRPE31-Watch

Überraschend tragbar

Es gibt viele Bedenken hinsichtlich der Tragbarkeit dieser Modelle mit dem Gehäuse im Stil einer „Thunfischdose“. Das ist vollkommen verständlich. Es sieht ein wenig wie ein Puck aus. Ironischerweise sind es genau Pucks, die ich abgesehen von Armbanduhren sammle. Aber ich schweife ab. Diese Modelle wirken am Ende nicht so klobig, wie man erwarten könnte. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, man merkt schon, dass man ein regelrechtes Uhrenpaket am Handgelenk trägt. Aber es ist nicht annähernd so oberlastig oder sperrig, wie man es sich vorstellt.

Seiko-Prospex-SRPE29

Dies wird durch die kurzen, im Grunde nicht vorhandenen Bandanstöße ermöglicht. Und was die SRPE29 und die SRPE31 angeht, so wirkt ihr Aussehen durch die erdigen Farbtöne weicher und das Volumen wird optisch verkleinert. Diese „Urban-Safari“-Modelle verleihen der bereits jetzt schon massiven Backlist von Tuna-Modellen eine neue Dimension. Wenn Sie mehr über die anderen Modelle in dieser Familie erfahren möchten, dann werfen Sie gerne einen Blick in unseren praktischen Referenzartikel zu diesem Thema.

Seiko-Prospex-SRPE31

Die Tuna wandelt seit 1975 im Seiko-Katalog umher. Erstaunlicherweise sind wir damit nur fünf Jahre von ihrem fünfzigjährigen Bestehen entfernt. Es muss einen guten Grund dafür geben, dass eine Uhr mit so untypischem Design für so lange Zeit bestehen bleibt. Meiner Meinung nach gibt es mehrere Gründe für die Langlebigkeit der Tuna. Sie ist etwas Anderes. Diese Uhren sind von einem Hersteller, der ihre Stärken kennt, ausnahmslos gut gemacht. Und noch obendrein haben diese zuverlässigen Uhren, die gleichzeitig als Blickfang dienen, einen attraktiven Preis.

Wie Sie sich denken können, lässt das Uhrwerk – das automatische 4R36 – die Spezifikationen nicht durch die Decke schießen, aber es ist ein stabiles Arbeitstier, das den Ansprüchen beim Leben in der Wildnis mehr als gerecht wird. Dank reduzierter Betriebsfrequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde wird eine Gangreserve von 40 Stunden erreicht. Die bescheidene Größe macht es zur perfekten Wahl für dieses 43,2 mm breite Modell mit Datumsanzeige. Wichtig und nicht zu vergessen ist noch, dass die Dicke von 12,67 mm im Gefüge der Tuna-Familie als schlank beschrieben werden kann!

Ein gutes Gefühl

Die extra-langen Silikonbänder passen bequem über einen Taucheranzug oder ans nackte Handgelenk. Für Leute mit kleinem Handgelenk wie mich könnte es sein, dass das Armband bei Ihnen am Ende etwas übersteht, aber dies passt ganz gut zu dem praktischen „Tool“-Look der Uhr. Meine Wahl wäre, ganz einfach, weil sie von den zwei Uhren die ungewöhnlichere ist, die sandfarbene SRPE29. Die 31 ist mit ihrem elefantengrauen Zifferblatt cool, aber für mich bleibt es bei der khakifarbenen 29. Sowohl die SRPE29 als auch die SRPE31 haben einen Verkaufspreis von 580 € (inkl. MwSt.). Sie sind jetzt erhältlich. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Seiko-Webseite.