Das bereitet mir wirklich Bauchschmerzen. Es ist einfach so ungerecht. Ich dachte, ich hätte es schon hinter mir. Gerade hatte ich es geschafft, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich die SNJ025 vom vergangenen Jahr nicht brauche, und da beschließt Seiko dann, die neuen Modelle SNJ029 und SNJ031 auf den Markt zu bringen. Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass mein guter Vorsatz hiermit zunichte gemacht wurde.

Ich sollte mich nicht beschweren. Für den Preis bekommt man schließlich eine ordentliche Portion Uhr. Und noch viel besser: Sie kaufen einen kultigen Klassiker, dem bisher nicht viel Beachtung geschenkt wurde und der jetzt mit einer modernen Farbpalette wieder hochaktuell ist. Um ganz ehrlich zu sein, hat es mir das grüne Modell angetan. Ich besitze eine Mini-Sammlung von Casio Mudmaster Armbanduhren, die ich nur selten trage. Wegen der Farben kann ich aber einfach nicht aufhören neue zu kaufen. Das Modell SNJ031 in Grün hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen, was bis heute unverändert ist.

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Arnie

Die Original-Serie H558 von Seiko kam 1982 auf den Markt, als Arnold Schwarzeneggers kometenhafter Aufstieg begann. Arnie trug in einigen seiner bekanntesten Filme, wie Das Phantom-Kommando, Der City Hai, Running Man und Predator, ein paar Varianten der H558-5000-Serie. Und bald schon blieb diese Verbindung im Gedächtnis hängen. Aber der „letzte“ Action-Held war nicht der einzige Leinwand-Star, der eine H558 angelegt hatte. Eine dieser Ana-Digi-Schönheiten tauchte plötzlich an Roger Moores Handgelenk in Im Angesicht des Todes auf. Alles in allem vielleicht nicht der beste Bond, aber trotzdem gab es dabei doch einen hervorragenden Bösewicht (ein völlig durchgeknallter Christopher Walken) und einen durchaus respektablen Gesangsversuch von Simon Le Bon bei dem unvergesslichen Titelsong.

… Artefakte, Zeitmaschinen, rosige Erinnerungen, die wir am Handgelenk tragen können.

Wenn eine Uhr so viel berühmte Unterstützung erfährt, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch die verkaufstüchtige Öffentlichkeit daran Gefallen findet. Dies rührt nicht unbedingt daher, dass Konsumenten unmittelbar durch das beeinflusst werden, was ihre Idole tragen (ich zum Beispiel glaube nicht, dass ich durch das Tragen einer Omega mehr wie George Clooney aussehe – leider), aber wenn Uhren dieser Art so lange präsent sind, dann werden sie Teil unseres Unterbewusstseins. Uhren wie die H558 werden zu Artefakten, Zeitmaschinen, rosigen Erinnerungen, die wir am Handgelenk tragen können. Und wie sich herausstellte, musste Seiko die rosigen Erinnerungen nur grün färben, um mich aufhorchen zu lassen.

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„Safarnie“

Seiko-Fans haben immer etwas für einen guten Spitznamen übrig. Diese Modelle der „urbanen Safari“ wurden schon mit einem neuen Kosenamen versehen – nämlich „Safarnie“-Uhren. Es ist witzig und um einiges leichter verdaulich als der Begriff einer „urbanen Safari“. Wodurch jedoch diese Uhren überhaupt erst funktionieren, ist nicht etwa der ein Kichern hervorrufende Spitzname oder eine lange Liste von Beliebtheit bei den Reichen und Schönen, sondern vielmehr das exzellente Design und die Aktualisierung für ein modernes Publikum.

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Die Maße dieser Biester sind Furcht einflößend. Der Durchmesser sind satte 47,8 mm, aber das ist noch nicht alles. Zarte kleine Bandanstöße sorgen für einen Abstand von nur 50,5 mm zwischen ihnen, was erstaunlich tragbar ist.

… es würde untragbar breit aussehen, wenn es schmaler wäre.

Die Uhr ist dabei allerdings nicht unbedingt zurückhaltend. Während die Dicke von 14,43 mm auf dem Papier gar nicht so beunruhigend ist, wie es der Durchmesser zu sein scheint, so sieht es doch durch das klobige Design „groß“ am Handgelenk aus. Meiner Meinung nach würde es allerdings untragbar breit aussehen, wenn es schmaler wäre. Und außerdem glaube ich nicht, dass jemand, den diese Ästhetik anspricht, auf der Suche nach einem Accessoire der Kategorie Mauerblümchen ist. „Oh, verflixt, Sie meinen also, sie passt nicht unter meinen Manschettenärmel?“, hat noch nie jemand gesagt, direkt nachdem er per Fallschirmsprung auf der Suche nach einer SNJ029 oder SNJ031 in einer Seiko-Boutique gelandet ist.

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Funktionalität

Selbstverständlich verspricht eine Uhr mit einem solchen Design einen höchst funktionalen Kern. Weder die SNJ029 noch die SNJ031 enttäuschen an dieser Stelle. Diese solarbetriebenen Quartzuhren strotzen als kleine Zeit-Wunder nur so vor Funktionen wie einem Chronographen, Batterieanzeige, Kalender, Wecker und fantastischer blauer Hintergrundbeleuchtung (bei Hintergrundbeleuchtung werde ich immer schwach). Diese Eigenschaften sind dem H851-Uhrwerk zu verdanken, das hinter einem überraschend überarbeiteten Zifferblatt seine Arbeit verrichtet.

… ringsherum eher eckige Stundenmarker.

Ach ja. Das Zifferblatt. Und wo wir schon dabei sind: die Zeiger. Ich wette, Sie dachten schon, ich hätte die Aktualisierungen vergessen oder nicht bemerkt. Aber deshalb sehen diese „Safarnies“ so anders aus als die, die es früher gab. Während die Ausgabe vom letzten Jahr den „Strichlein und Pünktchen“-Look des Originals beibehalten hat, haben wir hier ringsherum eher eckige Stundenmarker.

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Auch die Zeiger sind anders. Diesmal haben wir es mit gebürsteten Stunden- und Minutenzeigern zu tun, die gute Arbeit leisten, indem sie sich von dem Hintergrund des Zifferblatts abheben. Der Sekundenzeiger bringt mit einem wundervollen Lolli-Kontrast einen Farbtupfer ins Spiel. Das leuchtende Rot wird von den Rändern der Drücker wieder aufgegriffen. Insgesamt bewirken diese Elemente eine maximale optische Stimmigkeit, von der ich einfach nicht genug bekommen kann.

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Leuchtmasse

Ein weiterer kontroverser Zusatz ist die Verwendung von nicht-weißer Leuchtmasse. Jeder, aber auch wirklich jeder, hat hierfür einen anderen Begriff – Fauxtina, eierschalenfarben, gebrochen weiß, blassgelb, cremefarben – aber am Ende läuft es auf das Gleiche hinaus. Es ist eine Wahl, die der eine lieben und der andere hassen wird. Ich persönlich denke, dass es das ganze Design sehr schön abrundet. Außerdem ist der Farbton, der hier abgebildet ist, ganz und gar nicht wie der bräunliche, orange-stichige Kürbiston, den man oft an „Hommage“-Stücken sehen kann. Im Grunde sieht es deutlich mehr wie der von Super-LumiNova verwendete C3-Farbton aus, der angeblich der hellste der Marke ist. Es ist gar nicht so abwegig anzunehmen, dass Seikos eigene Leuchtmasse im gleichen/ähnlichen Farbton genauso außerordentlich ist. Und abgesehen davon gibt es ja die Hintergrundbeleuchtung auf dem digitalen Bildschirm, damit Sie nicht in Verlegenheit geraten, wenn das Licht mal schwächer wird.

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Ein kleiner Preis …

Wenn Sie wie ich ein Fan dieser zeiterfassenden, tickenden Predator-Biester sind, bei denen kein Platz für Manschettenärmel bleibt, dann interessiert Sie mit Sicherheit der Preis. Ausnahmsweise war dies erfreulicherweise doch weniger, als ich erwartet hatte. Sowohl die SNJ029 als auch die SNJ031 werden für 530 € verkauft. Ein kleiner Preis für ein durch und durch modernes Update eines umstrittenen, aber unvergesslichen Kultobjekts. Hier erfahren Sie mehr.