Ich habe drei Jahre lang für NOMOS Glashütte gearbeitet. Ich habe für die Marke die gesamte Nordhalbkugel bereist. Egal, wo ich mich befand, wurden mir immer die gleichen Fragen gestellt. „Wird NOMOS jemals ein Metallarmband herstellen?“ Wie sich nun zeigt, ja, die Marke tat 2019 genau das. Und obwohl es wirklich in Ordnung war, hatte ich trotzdem bei meinen Uhren nie das Bedürfnis nach einem Metallarmband. Nein, die zweite (zum damaligen Zeitpunkt) lächerlichere Frage interessierte mich mehr: „Wird NOMOS Glashütte das Lambda-Modell jemals in Edelstahl herstellen?“ Hahaha. Nein. Niemals. Oder zumindest dachten wir das …

NOMOS Glashütte hat nun DOCH die Lambda in Edelstahl veröffentlicht. Ich wette, damit haben Sie nicht gerechnet (finden Sie etwa, ich habe es schon im Titel verraten?). Bitte entschuldigen Sie. Ich freue mich so. Obwohl ich Uhrmacher bin, Markenvertreter, Journalist und so weiter und so fort – in allererster Linie bin ich Uhrenliebhaber. Und ich liebe das Lambda-Modell. Um genau zu sein, liebe ich das Uhrwerk – das DUW 1001. Das ist jenes Uhrwerk, von dem NOMOS gesagt hatte, dass es niemals in etwas anderem als einem Goldgehäuse geliefert werden würde. Nun, die Marke ruderte nun (endlich) zurück und als Ergebnis dürfen wir uns über eine der besten Anzuguhren auf dem Markt freuen.

Und ich übertreibe wirklich nicht. Wenn Sie den Preis sehen, werden Sie verstehen, was ich meine. Man denke nur daran, dass die Lamdbas in Roségold mit einem 39 mm großen Gehäuse bei 12.477 € beginnen. Die 41 mm große Version in Weißgold mit blauem Zifferblatt wird für 14.816 € verkauft. Behalten Sie diese Information erst einmal im Hinterkopf und schwelgen Sie später darin, wenn Sie am Ende dieses Artikels angelangt sind …

NomosLambdaSteel5

Aber für wie lange?

Dieses Jahr markiert den 175. Geburtstag der Uhrmacherei in Glashütte. Daher hat NOMOS einige Uhrenmodelle vorgestellt, die auf 175 Exemplare limitiert sind. Dies gilt auch für die stählerne Lambda. Es wurden drei „Emaille“-(Farbe)-Zifferblätter vorgestellt. Eines in Weiß, eines in Blau und eines in Schwarz. Es wird jeweils 175 Exemplare geben. Normalerweise mache ich mir nichts aus glänzenden Emaillefarbe-Zifferblättern, aber diese hier sehen mit der Lambda-Schrift und der wohlüberlegten Gestaltung des Zifferblatts wirklich geschmackvoll aus. Das Blaue ist – wie es bei NOMOS-Zifferblättern so oft der Fall ist – die Ruhe selbst.

Wenn der Amsterdamer Luxusjuwelier Ace Juwelers jemals eine rein schwarze Version mit weißem und rotem Aufdruck als Teil ihrer Amsterdam-Serie anfertigen sollte, dann bin ich dabei – insbesondere, wenn es diese Uhr dann in 39 mm geben sollte, was immer schon meine bevorzugte Größe der Lambda war.

… diese Uhr verschlingt das Handgelenk förmlich.

Aber in diesem Punkt war in der Minderheit. Die große Mehrheit der Leute, die ich getroffen, und der Kollegen, mit denen ich mich unterhalten habe, wollte partout nicht davon abrücken, dass die 41 mm (eigentlich 40,5 mm x 8,9 mm) große Lambda besser ist. Ich sehe ihren Standpunkt aus einer Perspektive der „Reinheit des Designs“. Die Uhr wurde entworfen, um groß zu sein. Und obwohl 41 mm auf dem Papier wirklich bescheiden klingt, seien Sie bitte gewarnt, dass diese Uhr das Handgelenk förmlich verschlingt. Sie ist, ganz ohne Zweifel, das größte Objekt von 41 mm, das Ihnen je begegnen wird. Und es ist seltsam, denn diese scheinbar aufgeblähten Maße verleihen der Uhr eine enorme Präsenz, während das subtile und präzise Design des Zifferblatts eine gewisse Bescheidenheit ins Spiel bringt.

… diese Uhr wird mir nichts, dir nichts über die Ladentische huschen.

Um es kurz zu machen, wird diese Uhr mir nichts, dir nichts über die Ladentische huschen. Und das sollte sie auch. Das DUW 1001 ist mit ihrer Glashütte-Sonnenschliffrippung, goldenen Schraubchatons und manuell graviertem Unruhkloben eine wahre Schönheit. In den Goldgehäusen war dieses Uhrwerk fast unerreichbar (und selbst für die glühendsten NOMOS-Anhänger ist es fast unmöglich). In Stahl und zu diesem Preis ist sie derzeit die Anzuguhr mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Markt. Da. Ich habe es gesagt. Und ich bleibe dabei.

Das Ende einer Ära

Aber diese Neuigkeit bringt noch mehr mit sich als einen Anlass zum Feiern. Es ist das Ende einer Ära. Mit der Verkündung der Geburtsstunde der stählernen Lambda wurde fast im selben Atemzug auch das Dahinscheiden ihrer goldenen Vorgängerin bekannt gegeben. Angesichts dessen, dass die Edelstahl-Version für 5.800 € verkauft wird – in Gottes Namen, ich wünschte, ich könnte auch Zahlen großschreiben –, scheint es jetzt auf gut Deutsch „ganz bescheuert“, weitere zehntausend Euro (oder zumindest fast) für ein Goldgehäuse zu bezahlen.

Und darin liegt der Reiz dieser Neuerscheinung. Zahlreiche Marken für Luxusuhren, die manche oder alle ihrer Modelle in Goldgehäusen produzieren, werden oft von potentiellen Kunden darum gebeten, dieselben Uhren auch in Stahl herzustellen. Manchmal bevorzugen diese Kunden einfach die Härte des Metalls. Das ist absolut in Ordnung. Die Mehrheit glaubt allerdings, dass dies den Preis der Uhr drastisch reduzieren wird. Die Wahrheit ist aber in den meisten Fällen, dass man, wenn man es mit sehr teuren Uhrwerken zu tun hat, diese im Grunde auch in ein Goldgehäuse stecken könnte, weil es die Kosten dann allgemein etwas mehr rechtfertigen würde. Oftmals ist es ehrlich gesagt so, dass man mit dem Wechsel von Gold zu Stahl am Ende statt einer Golduhr mit bekömmlichem Preis eine unverschämt teure Stahluhr bekommt.

NOMOS hat hier allerdings alles komplett über den Haufen geworfen. Und ich stehe mittendrin und starre diese Neuerscheinung voller Staunen an. Ich bin nicht nur begeistert, dass es endlich geschehen ist, sondern völlig verblüfft, dass die Lambda nun tatsächlich erschwinglich ist. Ja, es ist noch immer ein Luxusprodukt und ein wahres Privileg, eine solche Uhr zu besitzen, aber mit 50 % unter den vorigen Kosten der Lambda kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Sammlung noch viel länger ohne ein solches Exemplar auskommen wird (insbesondere, wenn dies den Weg für spätere Variationen des Konzepts ebnet, was ich mir gut vorstellen könnte). Hier finden Sie weitere Informationen über NOMOS Glashütte.