Wenn Sie rund 1000 Euro für eine Uhr ausgeben möchten, können Sie Ihren Blick auf  Seiko oder Citizen, den zahlreichen Kickstarter-Projekten oder Mikromarken wenden, aber gibt es auch noch etwas von den etablierten Schweizer Marken für Sie?

Longines HydroConquest

Warum sollten wir über eine Uhr reden, die schon 10 Jahre auf dem Markt ist? Nun ja, manchmal ist eine Uhr so interessant, dass es durchaus Gründe gibt, noch einmal darüber zu berichten. Zum einen ist diese Uhr weithin bekannt und hat sich für Longines zum Bestseller entwickelt. Da wollen wir wissen und mit eigenen Augen sehen  warum das so ist. In diesem Fall dachten wir, dass auch der für eine so große Schweizer Marke interessante Preis ein Grund ist, sich genauer anzuschauen, was diese Uhr zu bieten hat.

Viele Uhren-Liebhaber denken wehmütig an die gute alte Zeit zurück, als Toolwatches noch Toolwatches waren, für die man einen höheren, aber immer noch erschwinglichen Preis zahlen musste. Viele dieser Uhren sind immer noch auf dem Markt, werden heute jedoch als Luxusuhren vermarktet, zu Preisen, bei denen man ans Grübeln kommt. Diese Uhren sind technisch wahrscheinlich durchaus in der Lage, die Aufgaben einer echten Toolwatches zu übernehmen. Aber möchten Sie wirklich einen so teuren Zeitmesser Einflüssen wie Salzwasser, Erschütterungen und harten Oberflächen aussetzen, die Kratzer geradezu einladen?

Keine Angst, es gibt noch Marken da draußen, die Toolwatches anbieten oder anzubieten versuchen, die ihre Aufgaben zu einem sehr annehmbaren Preis erfüllen. Wenn Sie eine gute Uhr für den täglichen Miss-/Ge-/brauch suchen, die Sie wahrscheinlich überlebt, müssen Sie nicht mehr als 5.000 Euro ausgeben. Die Herausforderung für Uhrenliebhaber liegt jedoch darin, eine qualitativ hochwertige mechanische Uhr zu einem annehmbaren Preis zu finden, die dennoch rundum beeindruckende Eigenschaften aufweist.

Wir fabulieren zwar nur zu gerne über “Haute Horlogerie”-Exemplare hoher Uhrmacherkunst, teure vintage Fundstücke oder ähnliche Themen, aber die Suche nach einer guten, erschwinglichen Uhr ist für viele unserer Leser weit wichtiger.

Die Longines HydroConquest L3.642.4.56.6 wird zu einem Preis von knapp über 1.000 Euro gehandelt und ist damit eine interessante Option.

Longines HydroConquest Review

 

10 Jahre HydroConquest

Führen Sie sich folgendes vor Augen: ein Edelstahlgehäuse mit einem Durchmesser von 41 mm, wasserdicht bis zu einer Tiefe von 300 Metern (30 ATM), ein Edelstahlarmband mit doppelter Faltschließe und integrierter Taucherverlängerung, ein mechanisches Longines-Laufwerk, Kaliber 633, basierend auf dem ETA-Kaliber 2824, eine einseitig drehbare Lünette aus Aluminium, eine verschraubte Krone und ein Saphirglas. Longines bietet diese HydroConquest im Katalog für 1.070 Euro (einschließlich MwSt.) an.

Die Longines HydroConquest wurde im Jahr 2007 zum ersten Mal präsentiert und ist damit ein bereits 10 Jahre altes Modell. Zu dieser Zeit beschloss die Marke Omega der Swatch Group, die Listenpreise ihrer Uhren aufgrund der Ausrüstung der Uhrwerke mit der selbst entwickelten Koaxialhemmung anzuheben. Auch wenn die Omega Seamaster Pro 300M 2531.80 schon immer ein wenig teurer war als diese 1.070 Euro, füllte Longines die plötzliche Lücke in der Swatch Group-Produktpalette mit der neuen HydroConquest Tauchkollektion.

Technische Spezifikationen sind eine Möglichkeit, einen guten Eindruck zu machen, aber wie trägt sich die Uhr tatsächlich am Handgelenk? Longines hat uns für diesen Erfahrungsbericht ein Exemplar zur Verfügung gestellt. Nachdem wir die Uhr einige Zeit lang getragen haben, möchten wir Ihnen unsere Eindrücke nicht länger vorenthalten.

Longines HydroConquest Review

Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich Nichttaucher bin. Einige Mitglieder des Fratello Watches-Teams haben ihr Tauchzertifikat von der PADI (Professional Association of Diving Instructors) – ich leider nicht. Ich schwimme höchstens ab und zu ein paar ruhige Bahnen im Pool und nehme dazu ich meine Uhr sowieso ab. Allerdings ist eine Taucheruhr ja nicht nur dafür geeignet, sie mit ins Wasser zu nehmen. Für mich ist eine Taucheruhr eine solide, sportliche Uhr, die man – auch wegen ihrer Unempfindlichkeit gegen Wasser und Staub – im Alltag tragen kann.

Die Longines HydroConquest macht zu einem Anzug eine ebenso gute Figur wie zu legeren Outfits. Besonders wenn man kurzärmelige Oberteile trägt, sollte eine Uhr gegen alltägliche Gefahren wie Einkaufswagen, Spritzwasser aller Herkunft, Tischkanten, Kinder und so weiter gewappnet sein.

Das 41 mm Edelstahlgehäuse wirkt wohlkonstruiert und passt perfekt an mein Handgelenk. Es gibt auch eine kleinere Version mit einem Durchmesser von 39 mm für schmalere Handgelenke sowie ein Modell mit 30 mm Durchmesser für Damen. Eine 25 mm Quarz-Version rundet die HydroConquest-Kollektion ab.

Das Gehäuse ist überwiegend matt gebürstet, während einige polierte Stellen für interessante Lichtreflexe sorgen. Das Zifferblatt ist ausgezeichnet ablesbar; die Indizes, arabischen Ziffern und breiten, versilberten, polierten Zeiger sind mit Super-LumiNova ausgestattet. Eine Sportuhr – ganz besonders eine Taucheruhr – sollte ein klar lesbares Zifferblatt haben. Diese Longines HydroConquest ist dafür das perfekte Beispiel. Auch wenn ich persönlich keinen großen Wert auf eine Datumsanzeige lege, hat dieses Modell ein kleines Datumsfenster an der 3-Uhr-Position. Die Uhr hat im Grunde alles, was man so braucht. Gute Nachrichten für alle, die sich für einen Chronographen interessieren: Es gibt auch Chronographen-Versionen der HydroConquest. Dafür muss man allerdings um die 500 Euro mehr auf dem Tisch legen.

Weiter unten sehen Sie zwei Fotos: eins mit normal beleuchtetem Umfeld, in diesem Fall die Studiobeleuchtung, und eins ohne Beleuchtung. Sie zeigen, wie wirkungsvoll das Super-LumiNova-Zifferblatt dieser Longines HydroConquest ist. Ein kurzer Seitenblick auf den Nachttisch, und Sie wissen, was die Stunde geschlagen hat! Unterschätzen Sie nicht die Nützlichkeit eines selbstleuchtenden Zifferblatts. Ich habe im normalen Alltag nie so richtig darauf geachtet. Seit kurzem trage ich jedoch eine Uhr ohne Leuchtziffern, und das wurmt mich, wenn ich mich im Dunkeln aufhalte. Es scheint geradezu, dass ich das selbstleuchtende Zifferblatt jetzt, wo ich keines habe, fast täglich vermisse. Das muss ich vielleicht erklären: Wenn ich meine kleine Tochter abends ins Bett bringe, ist es fast stockdunkel in ihrem Zimmer. Sie möchte, dass ich noch ein Weilchen bei ihr sitzen bleibe, bis sie einschläft. Ich tappe regelmäßig im Dunkeln, wie lange ich schon dort sitze, weil ich auf meiner Uhr ohne selbstleuchtendes Zifferblatt nichts erkennen kann.

Longines HydroConquest Review Longines HydroConquest Review

Darüber hinaus ist nur das Nötigste auf das Zifferblatt aufgedruckt. Man könnte natürlich darüber streiten, ob es nützlich ist, darauf hinzuweisen, dass es sich um ein automatisches Uhrwerk handelt. Im Hinblick auf das Design und die Ausgewogenheit des Zifferblatts hat diese Angabe jedoch sicher ihre Funktion.

Die einseitig drehbare Lünette funktioniert perfekt und hat kein Spiel. Sie gibt ein solides Klickgeräusch von sich. Eine selbstleuchtende Perle markiert die Null oder 60. Die aus Aluminium bestehende einseitig drehbare Lünette ist bei einer echten Taucheruhr ein absolutes Muss, kann aber auch sonst dazu genutzt werden, einen spezifischen Zeitrahmen im Auge zu behalten.

Typisch für eine Taucheruhr ist auch die verschraubte Krone. Die schick signierte Krone von Longines lässt sich leicht greifen und handhaben. Ein Kronenschutz bietet zuverlässigen Schutz vor Türrahmen, Einkaufswagen und so weiter. Oder klingt ‘unter der Wasseroberfläche lauernde Felsen’ besser? Wie dem auch sei, damit die Krone nicht im Eifer des Gefechts beschädigt wird oder gar verloren geht, ist seitlich ein schön geformter und polierter Kronenschutz angebracht, der seine Arbeit perfekt verrichten wird.

Das Bild weiter unten zeigt auch die polierten Facetten des Gehäuses. Das Design dieser Toolwatch ist Longines wirklich gut gelungen. Das ausgewogene Finish macht sie nicht nur zu einem perfekten Alltagsbegleiter, sondern lässt sie auch mit einem Anzug elegant aussehen.

Longines HydroConquest ReviewWie Sie sehen können, hat unsere Longines HydroConquest ein Edelstahlarmband, um das wir ausdrücklich gebeten hatten – es gibt auch Versionen mit Kautschukband. Das Finish des Armbands ist ein sehr wichtiges Detail einer Uhr. Es sagt viel darüber aus, wie viel Mühe sich ein Hersteller mit dem Design und der Entwicklung eines guten, soliden Zeitmessers gibt. Ein Kautschukband mag zwar sehr bequem und leicht zu handhaben sein, aber wir waren wesentlich gespannter auf das Edelstahlarmband.

Longines HydroConquest Review Longines HydroConquest Review Longines HydroConquest Review

Das große Oyster-artige Armband ist ein typisches Taucharmband, wie es von vielen anderen Marken auch verwendet wird. In diesem Fall kommt es jedoch auf die Details an. Die einzelnen Glieder sind mit Schrauben verbunden, die Mittelglieder glatt poliert. Das Finish des Armbands passt perfekt zum polierten und gebürsteten Finish des Gehäuses der HydroConquest.

Die Schließe der Uhr ist, wie Sie sehen können, sehr solide und durchdacht konstruiert. Beim Tragen habe ich feststellen können, dass sie ziemlich flach auf der Innenseite des Handgelenks aufliegt. Mit dem eingravierten Markenschriftzug wirkt sie sehr stabil und fühlt sich auch so an. Es kam mir etwas solider vor als die Taucherverlängerung. Ich habe die Verlängerung zwar nicht genutzt, aber sie ermöglicht Ihnen, die Longines HydroConquest bei einem Tauchgang über dem Neoprenanzug zu tragen. Sie sieht zwar etwas dünn aus, fühlt sich aber fest an. Selbst nach einigen Verdrehungen am Handgelenk hatte ich nie das Gefühl, dass sie brechen könnte. Da es sich um ein relativ kurzes Element handelt, wären wahrscheinlich relativ starke Kräfte erforderlich, um es zu verbiegen oder zu brechen.

Longines HydroConquest Review

Für manche Leute mag der massive Gehäuseboden ein wenig enttäuschend sein, vielleicht umso mehr, wenn sie zum ersten Mal eine mechanische Uhr kaufen. Das macht jedoch meiner Meinung nach keinen Sinn, und zwar aus zwei Gründen.

Zum einen handelt es sich um eine Taucheruhr oder Toolwatch, die einen massiven, verschraubten Gehäuseboden haben muss, damit die Uhr dem angegebenen Wasserdruck auch standhält. Sicher gibt es einzelne Marken, die auch bei Taucheruhren einen Gehäuseboden bieten, der den Blick auf das Uhrwerk freigibt. Vergessen Sie jedoch nicht, dass dies zusätzliche Anstrengungen und wahrscheinlich auch Kosten verursacht, damit die Uhr auch bei großen Tauchtiefen dicht bleibt.

Der zweite Grund mag vielleicht hochnäsig klingen, ist aber keineswegs so gemeint. Ich schätze ETA-Uhrwerke ungemein, nicht zuletzt, weil sie nur selten kaputt gehen. Und um ehrlich zu sein, habe ich lieber ein ETA-Kaliber, als teures Geld für ein Manufakturwerk auf den Tisch legen zu müssen, nur um sagen zu können, dass ich eins habe. Für ein normales ETA-Kaliber brauche ich aber keinen transparenten Gehäuseboden. Das sähe zwar nett aus, aber da gibt es andere Uhrwerke, die ich mir lieber anschauen würde. Dieses ETA ist ein Ackergaul, ein Diesel. Vielleicht stimmen Sie mir zu, dass es weniger Spaß macht, sich den Dieselmotor eines aktuellen BMW 530 anzuschauen als die V8- oder V12-Maschine eines Ferrari oder eine anderen Super-Sportwagens. Der Ackergaul erledigt auf jeden Fall seine Arbeit, und zwar verdammt gut.

Kurz zusammengefasst, bekommen Sie für den Listenpreis von rund 1.000 Euro eine Uhr mit solider Leistung, die ewig halten wird. Vielleicht weckt diese eine Uhr auch Ihr Interesse an mechanischen Uhren, und in null Komma nichts haben Sie eine Sammlung. Gefährliche Sache. Wie auf einigen Bildern zu sehen ist, wird die Uhr in einem schönen Box Set ausgeliefert, das sich auch zur Aufbewahrung eignet. Darin befindet sich neben der Uhr auch ein dickes Handbuch, das man nicht unbedingt braucht, um diesen Zeitmesser zu tragen. Lösen Sie die verschraubte Krone, stellen Sie Zeit und Datum ein, und sie läuft und läuft und läuft.

Vielleicht haben Sie den Eindruck, dass unsere Begeisterung für diese Uhr übertrieben ist. Das mag durchaus sein. Aber hat diese Longines HydroConquest nicht doch auch irgendwelche Nachteile? Eigentlich nicht, und schon gar nicht bei diesem Preis. Wenn man ganz pingelig sein will, könnte es sein, dass Sie sich auf Diskussionen mit anderen Uhrenliebhabern einrichten müssen. Einige werden sicher darauf hinweisen, dass die Uhr der Rolex Submariner ähnlich sieht. Das kann man vielleicht so sehen, aber trifft das nicht mehr oder weniger auf alle Taucheruhren zu mit ihren großen, leuchtenden Zeigern, dem kontrastreichen und gut lesbaren Zifferblatt und der einseitig drehbaren Lünette?

Dies ist ein preiswertes Modell, das auf lange Zeit kaum zu schlagen sein wird – wir werden jedenfalls ein Auge darauf haben. Wie wir schon bei der Legend Diver – wir haben darüber berichtet – oder der Master Moonphase gesehen haben, über die wir ebenfalls berichtet haben, ist die Marke Longines auf jeden Fall einen genaueren Blick wert, wenn Sie sich auf dem Markt nach einem neuen und guten mechanischen Zeitmesser umschauen, den Sie Ihr Eigen nennen und tragen wollen.

Technische Spezifikationen

Gehäuse

  • Material: Edelstahl
  • Eigenschaften: Einseitig drehbare Lünette, verschraubte Krone
  • Glas: Kratzfestes Saphirglas, Antireflex-Beschichtung auf der Unterseite
  • Gehäuseboden: Verschraubter Gehäuseboden
  • Abmessung: Ø 41.00 mm
  • Wasserdichtigkeit: bis zu 30 bar oder 300 m

Uhrwerk und Funktionen

  • Kaliber: L633, Mechanisches Uhrwerk mit Automatikaufzug, 28.800 A/h bei einer Gangreserve von 38 Stunden
  • Funktion: Stunden, Minuten, Sekunden und Datum.

Zifferblatt und Zeiger

  • Stundenskala: Aufgesetzte arabische Ziffern und Indizes mit Super-LumiNova ®
  • Zeiger: Versilberte polierte Zeiger, mit Super-LumiNova ®

Armband

  • Material: Edelstahl
  • Schließe: doppelte Sicherheitsfaltschließe mit integrierter Taucherverlängerung.

Preis

Euro 1.070,- (Inkl. Mwst.).