2006 stellte Panerai die PAM00249 Radiomir 1936 mit einem California-Zifferblatt vor. Dieses Designelement war auf die 1936 beschränkt: die Sammler griffen sofort zu. Bevor ich meinen Bericht über die PAM00424 Radiomir California 3-Days beginne, muss ich noch ein paar Worte über das Zifferblatt verlieren.

California-Zifferblätter

Der Name “California”-Zifferblatt geht wohl auf den Zifferblattrestaurator Kirk Rich zurück, der in den 1970er-Jahren in Los Angeles Zifferblätter restaurierte und nacharbeitete. Kurz gefasst, ist das California-Zifferblatt eine Kombination aus einem arabischen und römischen Zifferblatt. Das sieht man auf den Fotos sehr schön. Wenn man dieser Geschichte folgt, erhielt diese Art Zifferblatt irgendwann den Namen »California«-Zifferblatt, weil die Kunden von Kirk Rich irgendwann keine Lust mehr hatten, jedes Mal “Zifferblatt mit kombinierten arabischen und römischen Ziffern” sagen zu müssen. Die Geschichte des California-Zifferblatts geht jedoch viel weiter zurück. Sie beginnt zu der Zeit, als Rolex die Uhrenproduktion für Panerai übernommen hatte. Die erste “Panerai” mit California-Zifferblatt war die Referenz 3646. Die Panerai Radiomir 1936 aus dem Jahr 2006 war also nicht die erste, sondern von der Referenz 3646 inspiriert, die Rolex für Panerai produziert hatte.

In der Geschichte um das California-Zifferblatt und seine erste Verwendung gibt es zu viele Unklarheiten. Deshalb will ich darauf hier nicht weiter eingehen. Es gibt mehrere Quellen, die unterschiedliche Behauptungen aufstellen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, finden Sie hier einen ausführlichen  Artikel zu diesem Thema in englischer Sprache.

Panerai Radiomir California 3-Days

Die Panerai PAM00424 ist keine neue Referenz. Insofern können wir Ihnen hier nichts Neues erzählen. Uns hat einfach das California-Zifferblatt gefallen, und wir wollten die 47 mm ausprobieren. Die PAM00424 stammt aus dem Jahr 2012, erfuhr aber später einige Aktualisierungen und ist seitdem auch ohne Datumsfenster erhältlich. Beide Uhren sind immer noch Teil der aktuellen Kollektion und tragen dieselbe Referenz. Den Preisunterschied zwischen einer gebrauchten 424 mit oder ohne Datum ist jedoch zu vernachlässigen. Die Datumsfunktion scheint eine Frage der Vorliebe zu sein und nicht des Sammlerwerts.

Panerai PAM00424 California

Groß, aber auch nicht so groß

Die PAM00424 hat einen Durchmesser von 47 mm, den man als sehr groß bezeichnen könnte. Dank eines mit 52 mm sehr bescheidenen Abstands von Bandanstoß zu Bandanstoß trägt sie sich an einem normalen – selbst an einem schmalen – Handgelenk sehr gut. Ich besaß früher mehrere Luminor Marina mit einem Durchmesser von 44 mm, die mir am Handgelenk wesentlich raumgreifender vorkamen als die Radiomir. Aufgrund des völlig anderen Designs der Bandanstöße und des fehlenden Kronenschutzes, wie ihn die Modelle der Luminor haben, kann man die Uhr wunderbar täglich tragen. Das habe ich dann auch eine Zeitlang gemacht. Ich war verblüfft, wie viele mir völlig unbekannte Leute mich auf diese Panerai ansprachen. Wie sich in den kurzen Gesprächen herausstellte, fanden sie das große Zifferblatt mit den römischen und arabischen Ziffern interessant. Das war für mich eine neue Erfahrung. Außer dem gelegentlichen Uhrenliebhaber, auf den ich in der freien Wildbahn treffe, spricht mich normalerweise niemand auf meine Uhren an. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern.

Das Armband ist zwischen den Bandanstößen 27 mm und an der Schließe 22 mm breit. Die ähnlich aussehende PAM00249 hatte auch einen Durchmesser von 47 mm, aber ein 26 mm breites Armband. 27 mm mag sich gewaltig groß anhören, besonders wenn man 18 bis 20 mm breite Armbänder gewöhnt ist, aber vom visuellen Eindruck her hätte ich nie auf 27 mm getippt. Dennoch ist das Armband bequem und hat für diese Radiomir mit California-Zifferblatt die richtigen Proportionen.

Panerai PAM00424 California

Blickfang

Das California-Zifferblatt war der Hauptgrund, diese Uhr einmal auszuprobieren. Panerai hat uns bereitwillig ein Exemplar zur Verfügung gestellt. Dieses Zifferblatt verleiht der Uhr einen besonderen Touch. Ich kann durchaus verstehen, warum die 249 so erfolgreich war, und auch – noch etwas weiter zurück – warum die California-Zifferblätter der Rolex »Bubble Back« Modelle so beliebt waren. Die künstliche Patina der Stundenindizes passt gut zu den goldfarbenen Zeigern und dem beigen Armband. Die Datumsscheibe ist schwarz; die Datumsziffern sind ebenfalls patiniert, wie alles andere, was auf dem Zifferblatt zu sehen ist. Die Italiener haben eben Stil.

Auf dem Zifferblatt oberhalb der 6-Uhr-Position ist zudem das Logo von Officine Panerai aufgedruckt. An dieser Position befindet sich keine Ziffer, genauso wenig wie an der 12-Uhr Position, die durch ein Dreieck markiert wird. Die Zeiger sind ziemlich breit und mit Super-LumiNova gefüllt. Die Uhr ist tagsüber sehr gut ablesbar. In schwach beleuchteten oder dunklen Umgebungen leistet die Leuchtfarbe sehr gute Dienste.

Panerai PAM00424 California

Im Grunde ist jedes Element dieser Panerai PAM00424 California Dial ein Hingucker: das Gehäusedesign, das California-Zifferblatt, das Armband, die Schließe und natürlich die große Aufzugkrone. Alles ist sehr sorgfältig gestaltet und zusammengefügt. Das einzige K.O.-Kriterium könnte das Datumsfenster sein. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Panerai zwei Jahre nach der Einführung der PAM00424 mit Datumsanzeige beschloss, eine weitere PAM00424 ohne Datumsanzeige anzubieten.

Panerai PAM00424 California Dial

P.3000 Kaliber

Seit Jahren entwickelt und baut Panerai seine eigenen Uhrwerke. Über die neue Manufaktur in La Chaux-de-Fonds, wo die Entwicklungsarbeit und Produktion stattfindet, haben wir in einem eigenen Artikel berichtet. In unserer Panerai PAM00424 arbeitet ein Kaliber P.3000 mit drei Tagen Gangreserve. Die PAM00249 aus dem Jahr 2006, zum Beispiel, war noch mit dem OP X Kaliber bestückt, das auf dem ETA/Unitas Kaliber 6497-1 basierte. Das P.3000 wird auch per Hand aufgezogen, ist aber ein Manufakturwerk. Es ist 5,3 mm dick und hat eine Frequenz von 21.600 A/h (Halbschwingungen pro Stunde). Es besteht aus 161 Komponenten, von denen 21 Lagersteine sind. Die Energie wird in einem Doppelfederhaus gespeichert und reicht für 72 Stunden. Entwicklung, Produktion und Finish des Uhrwerks erfolgt, wie gesagt, in der eigenen Manufaktur. Soweit ich das bei unserem Besuch dort gesehen habe, erfolgt das Finish an speziell für Panerai entwickelten Maschinen. Sie sorgen für das wunderschöne, gebürstete Finish auf den Werkplatinen.

Unten sehen Sie das P.3000 Kaliber im Gehäuse der PAM00424. Das Design des Uhrwerks ist mit seinen kurvigen Werkplatinen und der doppelten Unruhbrücke äußerst attraktiv.

Panerai PAM00424 California Dial

Unser Urteil zur PAM00424

Diese PAM00424 California hat mich sehr positiv überrascht. Obwohl unser schmucker Uhrmacher Paul oft seine PAM00190 am Handgelenk trägt, wenn er die Fratello Zentrale besucht, habe ich sie nie ausprobiert. Sie ist mit 45 mm Durchmesser allerdings kleiner und hat ein anderes Uhrwerk. Auf die 2 mm mehr der PAM00424 kommt es mir nicht an. Sie sah sehr gut aus am Handgelenk und ließ sich gut tragen. Das Uhrwerk seiner PAM00190 hat allerdings einen großen Vorteil: Es zeigt die Gangreserve an. Ich lege keineswegs grundsätzlichen Wert auf eine Gangreserven-Anzeige auf dem Zifferblatt oder generell. Aber Panerai wirbt mit den »3-Tagen«, sogar im Modellnamen. Ich möchte deshalb wissen, wie es um die aktuelle Gangreserve steht. Drei Tage sind lang genug, um nach zwei Tagen – oder schon früher – vergessen zu haben, wann man die Uhr das letzte Mal aufgezogen hat. Ich möchte keine große Sache daraus machen, aber das hätte der Uhr meinem Empfinden nach ein gewisses Extra gegeben. Und für 7.500 Euro wäre es kein schlechtes Feature, um ehrlich zu sein.

Panerai PAM00424 California Dial

Das ist im Grunde aber auch die einzige Kleinigkeit, die ich an der Panerai PAM00424 zu bemängeln hätte. Die Uhr trägt sich wunderbar und sieht toll aus. Ich halte sie für ein klassisches Modell, das in die Hauptkollektion von Panerai gehört. Der eine oder andere angestammte Panerai-Sammler mag vielleicht die Nase gerümpft haben, als Panerai die PAM00424 bereits ein paar Jahre nach der 47 mm PAM00249 auf den Markt brachte. Wer sich jedoch dieser Vorgeschichte nicht bewusst ist oder sich einfach nicht daran stört, kann eine beeindruckende Uhr mit Manufakturkaliber für weniger als den aktuellen Marktpreis der PAM0029 erwerben.

Für mich persönlich ist die Datumsanzeige an einer Armbanduhr überflüssig. Ich sehe das Datum morgens auf meinem iPhone und kann es mir den restlichen Tag über merken. Ich weiß jedoch, dass viele Leute diese kleine Komplikation schätzen. Die PAM00424 ist sowohl für Datumsanhänger als auch für die Datumsgegner erhältlich.

Verkaufspreis: 7.500 Euro einschließlich MwSt.

Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Website von Panerai.