Wir schauen uns die Seiko 5 Sports noch einmal an und versuchen, sie in den Reigen historischer Seiko Taucheruhren einzuordnen.

Seiko 5 Sports 6 Ich muss zugeben, dass ich mit der Seiko 5 Sports-Reihe anlässlich ihrer Vorstellung ziemlich harsch ins Gericht gegangen bin.  Ich erholte mich gerade an einem Swimmingpool in Zypern, als mich die Nachricht erreichte, und ich beschloss, gleich an Ort und Stelle einen Artikel darüber zu schreiben.  Die 27 verschiedenen Modelle, so mein unmittelbarer Eindruck, boten eine echte Möglichkeit, die „Modder“ zufriedenzustellen, die allzu gerne an ihren Seikos herumbasteln. Gleichzeitig schien mir dieser Schachzug aber auch geeignet, es mit der Konkurrenz aus dem Bereich der Modeuhren aufzunehmen.  Schließlich sahen die Uhren aus wie echte Taucheruhren, hatten aber keine verschraubten Kronen und waren mit 100 Metern für deutlich geringere Tauchtiefen ausgelegt als ihr an die SKX angelehntes Vorgängermodell.

Seiko’s Frankfurt Boutique

Dank an die Seiko Boutique in Frankfurt

Genau in diesem Punkt sind sich die Seikophilen nicht einig: Ist die Seiko 5 Sports tatsächlich der Nachfolger der sagenhaften SKX007 Taucheruhr?  Für die einen ist sie es, für die anderen nicht. Vielleicht spielt diese Frage aber auch gar keine Rolle.  Dank der zuvorkommenden Mitarbeiter der Seiko Boutique in Frankfurt hatte ich jetzt die Gelegenheit, eine dieser neuen Modelle einen Monat lang täglich zu tragen. Ich bin froh, sagen zu können, dass diese neue Uhr genau das ist, was sie sein sollte – eine verdammt gute Uhr.

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Ein Mesh-Armband – ganz neu für mich bei Seiko

Ich durfte mir aus einer Handvoll neuer Seiko Sport 5-Exemplare eines aussuchen und entschied mich schließlich für die Referenz SRPD73K1, die Sie hier sehen.  Sie interessierte mich besonders wegen ihres 22 mm breiten Mesh-Armbands – das ich zum ersten Mal bei einer Seiko Uhr sah – und der weißen inneren Lünette.  Die Mitarbeiter der Boutique bestätigten im Gespräch, dass sich die Uhren seit ihrer Präsentation gleichmäßig gut verkaufen, durchschnittlich mehrere pro Tag.  Das sind in meinen Augen gute Neuigkeiten, denn mit einem Verkaufspreis von 269 bis 329 Euro sind diese Modelle echte „Einstiegsdrogen“, die mehr Kunden in die Boutiquen bringen.  Und wenn man erst einmal drinnen ist, kann man die anderen schicken Angebote, von der Prospex-Kollektion bis hin zur Grand Seiko, kaum übersehen.

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Die Qual der Wahl

Aber zurück zu meiner Wahl dieser speziellen Seiko 5 Sports. Ich war ein wenig hin und her gerissen und hatte mich fast schon für die grüne SRPD61K1 entschieden – sie sieht im Original einfach toll aus.  Ich sah mir auch ein paar andere Modelle außerhalb des Vorführbereichs an und war erstaunt angesichts der schieren Vielfalt der angebotenen Varianten.  Auf meine Frage nach den beliebtesten Modellen zeigten die Mitarbeiter zu meiner Überraschung auf die Modelle mit schwarzem Gehäuse und dunklen Zifferblättern. Einige Referenzen waren in Frankfurt sogar bereits ausverkauft.  Diese Uhren sind also ziemlich gefragt, aber wie haben sie sich bisher bewährt und wie sind sie im Reigen ähnlich aussehender Modelle der Vergangenheit einzuordnen?

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Vertrautes 42,5 mm-Gehäuse, 13,4 mm dick und 100 Meter Tauchtiefe

Die Modelle der Seiko 5 Sports-Kollektion sind alle aus Edelstahl gefertigt, haben einen Gehäusedurchmesser von 42,5 mm, messen 46 mm von Bandanstoß zu Bandanstoß und sind 13,4 mm dick.  Diese Dimensionen sollten den Besitzern einer SKX007 vertraut sein, denn sie sind fast identisch.  Und obwohl die Sports 5-Modelle einige Spezifikationen der SKX vermissen lassen, etwa die verschraubte Krone, die zusätzlichen 100 Meter Tauchtiefe und eine leuchtende Spitze an der 12-Uhr-Position der einseitig drehbaren Lünette, haben wir es hier, objektiv betrachtet, mit weit besseren, moderneren Uhren zu tun.

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Ein modernerer Zeitmesser als die legendäre SKX007

Ungeachtet aller Liebe und Zuneigung, die der SKX007 entgegengebracht wird, ist sie eigentlich ein Anachronismus.  Sicher leistet die SKX gute Dienste, sieht gut aus und hält Wasser zuverlässig von ihrem Innenleben fern.  Auf der anderen Seite ist sie eine alte Uhr ohne Sekundenstopp, die nicht immer besonders gut die Zeit hält und sich nicht aufziehen lässt.  Sie hat durchaus Unterhaltungswert und vermittelt nostalgische Gefühle, aber es war Zeit für etwas anderes.  Ob die Seiko 5 Sports dieses „Andere“ sein kann, hängt letztlich von Ihnen ab, aber sie bringt auf jeden Fall in fast jeder Hinsicht Verbesserungen mit.

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Das 4R36 ist ein zufriedenstellendes Werk – und lässt sich aufziehen

Die Seiko 5 Sports hat ein ähnliches Gehäuse wie die SKX007 und auch ein ähnlich gestaltetes Zifferblatt, geht aber in einigen Punkten einen Schritt weiter.  Das Gehäuse weist insgesamt ein besseres Finish auf und ermöglicht mit durchgebohrten Bandanstößen einen einfacheren Armbandwechsel. Seiko-Träger sind wechselfreudig und werden das begrüßen.  Das Zifferblatt selbst zeigt sich deutlich verbessert.  Die Leuchtmasse ist sehr hell, aber die Stundenmarkierungen sind nicht mehr nur auf das Zifferblatt aufgemalt.  Wahrscheinlich sind sie auch nicht wirklich aufgesetzt, aber zumindest verleihen Sie der Uhr ein edleres Erscheinungsbild.  Und dann ist da noch das Kaliber 4R36.  Im Grunde handelt es sich hier um ein Seiko Standard-Automatikwerk mit 25 Steinen, 41 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp und Handaufzug.  Die Ganggenauigkeit ist mit einer maximalen Abweichung von -35/+45 Sekunden pro Tag nicht außergewöhnlich, aber es ist praktisch, sie aufziehen und einstellen zu können. Mit diesen Eigenschaften ist das Werk einfach konkurrenzfähiger.  Durch den aufgeschraubten, transparenten Gehäuseboden kann man ihm sogar bei der Arbeit zusehen.  Das mag für die meisten Leser unserer Artikel keine Rolle spielen, aber für Kunden, die sich zum ersten Mal eine mechanische Uhr kaufen, ist das ein wichtiges Verkaufsargument, und eine zusätzliche Eigenschaft für potenzielle Kunden.  Das Finish ist nicht mehr als zweckgemäß, aber es wirkt sauber.

Seiko 5 Sports 12 Das Beste an der neuen Seiko 5 Sports-Reihe ist in meinen Augen die Tatsache, dass die Käufer nicht auf zwei oder drei Farbschemata beschränkt sind.  Mir gefallen zwar nicht alle 27 zur Wahl stehenden Varianten – in Japan gibt es sogar noch mehr, sogar mit einigen Manga-Figuren – aber doch viele.  Die in kräftigeren Farben gehaltenen Exemplare – grün, blau und orange – sehen am Handgelenk fantastisch aus.  Dazu kommt, dass Seiko sich bei den Bändern und Metallarmbändern ins Zeug gelegt hat und jede Menge Wahlmöglichkeiten anbietet. Gut, die Armbänder sind nicht beliebig kombinierbar – die verfügbaren Optionen hängen vom jeweils gewählten Modell ab.  Die meisten sind wirklich gut.  Das Mesh-Armband, für das ich mich entschieden hatte, ist nichts Besonderes. Es ist mehr oder weniger sogar identisch mit vielen Mesh-Armbändern von Drittanbietern, wenn man einmal von dem Seiko-Schriftzug auf der Faltschließe absieht. Dennoch ist das für eine Marke, die bisher mit modisch effektvollen Zugeständnissen eher zurückhaltend war, eine coole Entscheidung.  Zudem ist das Armband fast unbegrenzt verstellbar und ließ sich wunderbar an mein schmales Handgelenk anpassen.  Und dann dieses Zifferblatt.  Viele Leute haben sich über das an Supermann erinnernden „5“-Logo beschwert. Ich finde es cool und sogar besser als das Prospex „X“.  Es ist unaufdringlicher und fügt sich gut ein.  Mich stört mehr der Schriftzug „Automatic“.  Ich hätte mich eher für „100 Meter“ in roter Schrift oder etwas in dieser Art entschieden.  Das Zifferblatt ist mit seinem strahlenden Finish in jedem Fall ein großer Schritt vorwärts und setzt sich gut gegen den kontrastierenden weißen inneren Kapitelring ab.  Keine Frage, eine schicke Uhr, und das gilt auch für die vielen Farbvariationen.

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Bei Preisen zwischen 269 und 329 Euro kann man sich nicht beschweren

Zu Preisen zwischen 269 und 329 Euro gibt es kaum etwas auf dem Markt, das mit der Qualität und Zuverlässigkeit dieser Seiko 5 Sports-Modelle mithalten kann.  Gerard und RJ haben einen interessanten Video-Review dieser Uhren gedreht, und Gerard hat sogar ein Exemplar ohne jegliche Probleme auf einen Tauchgang mitgenommen.  Natürlich sind eine verschraubte Krone und eine Leuchtspitze eine willkommene Zugabe, aber wenn sie fehlen, bedeutet das nicht das Ende der Welt.  Uhren wie die zweite Generation der DOXA SUB 300 hatten eine Push-Pull-Krone, und ich schnorchelte und tauchte bis zum Alter von 18 Jahren ohne Probleme in seichtem Wasser mit einer Swatch.  Sind das professionelle Taucheruhren?  Nein, aber die meisten von uns sind auch keine professionellen Taucher oder können sich überhaupt nicht Taucher nennen. Wir wollen eigentlich nur eine funktional und ästhetisch ansprechende Uhr, die unsere täglichen Bedürfnisse erfüllt.  Meiner Meinung nach leisten diese Uhren das mit Bravour, und ich bin hocherfreut, dass es sie in so vielen Varianten gibt.  Wenn Sie nach einem beeindruckenden Geschenk suchen oder sich selbst etwas Schickes gönnen wollen, machen Sie sich auf den Weg zur nächsten Seiko-Boutique oder schauen Sie sich auf der offiziellen Seiko 5-Website um.

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Ein Blick in die Geschichte von Seiko – Ähnlich gestaltete Modelle

Warten Sie einen Augenblick, ich habe da noch etwas.  Ich besitze ein paar Uhren mit ähnlichen Gehäusen wie die neue Seiko 5 Sports und dachte, jetzt wäre die perfekte Gelegenheit, sie Ihnen kurz vorzustellen.  Sie können dann selbst entscheiden, wie die neuen Modelle sich in das Seiko-Erbe einreihen.  Bevor Sie sich bemüßigt fühlen, mich daran zu erinnern, dass mir einige Modelle in meiner Sammlung fehlen, lassen Sie sich sagen, dass ich die mittelgroßen Taucheruhren oder die mit dem sogenannten 6309 „Slim Case“ hier nicht ausgepackt habe.

Seiko 7548

Seiko 7548

Es ist kaum zu glauben, aber 40 Jahre vor dem Debüt der Seiko 56 Sports-Taucheruhren, über die ich hier berichte, präsentierte Seiko die erste Taucheruhr der Marke mit dieser legendären Gehäuseform.  Und dann war es auch noch eine Quarzuhr!  Die 7548 erschien 1978 auf der Bildfläche und wurde erst 1985 durch die 7C43-7010 abgelöst.  Sie ist nicht kaputt zu kriegen und hat sich zu einem – Klischeealarm! – echten „Grab-and-Go“-Modell entwickelt.  Rechnen Sie mit Preisen zwischen 250 und Tausenden Dollar, je nach der Version, die Sie ins Auge gefasst haben. Die seltene blaugrüne Version ist die richtig teuere, ansonsten hängt der Preis vom Zustand ab.  Interessant ist auch, dass dies die letzte Taucheruhr von Seiko in den 1970er-Jahren war und für manche Uhrenliebhaber auch das Ende einer goldenen Ära – unseren Artikel über die 7548 und alles davor finden Sie hier.   Ich denke, das war erst der Anfang!

Seiko 7002

Seiko 7002

Die zwischen 1988 und 1996 produzierten Seiko 7002-Taucheruhren hatten dasselbe Gehäuse, das wir heute an den neuen Seiko 5 Sports-Modellen sehen.  Die 7002 war jedoch anders als alles, was davor und danach kam, weil sie nur ein Datumsfenster hatte.  Manche Sammler mögen gerade diese Einfachheit und die etwas deftigeren Stundenmarkierungen.  Weil dieses Modell besonders bei den Moddern unglaublich beliebt war, ist es schwer, unveränderte Exemplare zu finden. Das mag angesichts der hohen ursprünglich produzierten Stückzahlen überraschen.  Von allen Uhren mit dieser Gehäuseform ist die 7002 wahrscheinlich mein Favorit. Darüber können Sie hier mehr erfahren.  Die Preise liegen zwischen 150 und 300 Dollar, je nach Modellvariante und Zustand.

Seiko SBCM023

Seiko SBCM023 Perpetual Calendar

Kommen wir zu einer Kuriosität in der Reihe der sonst eher durchschnittlichen Automatik- oder Quarzuhren mit dieser Gehäuseform.  Die SBCM023 wurde ungefähr von 2003 bis 2010 produziert und steckt in einem 39 mm-Edelstahlgehäuse.  In ihrem Inneren tickt das Quarzwerk 8F35 mit einem ewigen Kalender und einer Ganggenauigkeit von +/- 20 Sekunden pro Jahr!  Damit noch nicht genug: ihre Lithiumbatterie hält 8 bis 10 Jahre.  Für mich ist die SMCM023 ein extrem unterbewertetes technisches Kraftpaket.  Aufgrund ihres relativ hohen Neupreises verkauften sich die Uhren nicht sonderlich gut. Bis vor ein paar Jahren konnte man sie relativ leicht zu Preisen zwischen 300 und 400 Dollar finden.  Heute müssen Sie mit 500 bis 600 Dollar für eines der cooleren Seiko-Modelle der letzten 20 Jahre rechnen.  Und eh ich es vergesse, es gibt orangefarbene Versionen und blaue mit Pepsi-Lünette.

Seiko SKX007

Seiko SKX007

Die um 1996 als Ersatz für die 7002 lancierte SKX007 ist wahrscheinlich eine der beliebtesten Uhren in der Geschichte der Zeitmesser – zumindest bei Uhrenliebhabern.  Wie bei falschen Nachrufen auf berühmte Persönlichkeiten kursieren schon seit Jahren Gerüchte über ihr Ableben.  Mit der Präsentation der Seiko 5 Sports-Kollektion scheint sie nun endgültig das Zeitliche zu segnen.  Diese Uhr blickt in ihrer Standardform auf 25 Jahre Marktpräsenz ohne wesentliche Veränderungen zurück.  Das in verschiedenen Varianten – schwarz, Pepsi-Lünette und orange – erhältliche Modell gab es auch mit ein paar lokalen Marktoptionen, aber das ist längst vorbei.  Ich kann mich erinnern, dass sie vor fünf oder sechs Jahren unter anderem bei Amazon für 110 bis 125 Dollar erhältlich war. Heute hat sich der Preis verdoppelt.  Gut ist, dass man sie immer noch kaufen kann, und das wird so weitergehen, bis die Lagerbestände erschöpft sind.  Die SKX007 ist immer noch eine fantastische Uhr für Urlaube, als erste mechanische Uhr oder sogar als Uhr für jeden Tag.  Erwarten Sie nur keine überragende Genauigkeit, einen Handaufzug oder ein schickes Band oder Armband.  Egal, den Ruf einer Legende hat sie sich durch ihr unprätentiöses Aussehen und ihre Robustheit erworben.  Wenn es Sie interessiert, können Sie hier einen Vergleich mit einem anderen japanischen Klassiker nachlesen, der Citizen NY0040.

Seiko 5 Sports 5

Wir hoffen, Sie haben diesen kurzen Rückblick auf einige Vorgänger der Seiko 5 Sports-Modelle genossen.  Die neuen Modelle mögen zwar auf einige beeindruckende Eigenschaften verzichten, machen dies jedoch mit einem modernen Gesamtpaket, besserem Finish und vielfältigen Farboptionen wieder wett.  So mancher wird der Marke nicht verzeihen, diese Richtung eingeschlagen zu haben. Auch ich habe eine Zeit lang überlegt. Aber die meisten von uns, und da schließe ich mich jetzt mit ein, betrachten es als Fortschritt.