Seiko weiß so einiges über Quarz-Uhren. Und immer dann, wenn eine Marke mit einem innerhalb eines Bereichs so hochgeschätzten Stammbaum anfängt, so etwas wie „die beste aller Zeiten“ zu erwähnen, neige ich dazu, mich aufrecht hinzusetzen und ganz Ohr zu sein. Hinsichtlich der Seiko Astron SSH063 bin ich froh, dass es genauso war.

Ich bin ein großer Seiko-Fan. Man könnte auch fragen: Wer bei Fratello ist dies nicht? Außerdem habe ich nichts gegen eine gewisse Voreingenommenheit bei Marken – also dagegen, meinen bewährten Lieblingen freie Hand zu lassen. Und immer, wenn Seiko eine neue Uhr vorstellt, setze ich mich immer aufrecht hin und lausche voller Aufmerksamkeit, es sei denn … es handelt sich um eine neue Astron. Und es liegt nicht daran, dass sie nicht meine bevorzugten mechanischen Schätzchen sind. Ich habe viele Quarz-Uhren in meiner Sammlung und ich liebe sie heiß und innig.

Es liegt auch nicht an der überwältigenden Menge von moderner Technikzauberei, die sich unter dem Deckmantel von Seiko-Astron-Uhren versteckt. Allgemein ist diese Aneinanderreihung moderner Erfindungen nicht unbedingt der innere Anreiz für mich, um mich von einer Uhr angezogen zu fühlen. Ganz und gar nicht. Sobald ich aber dem ganzen technischen Machtspielchen gegenüberstehe, habe ich oft kein anderes Wort parat außer einem nicht ganz so analytischen „Wow!“. Das von Seiko hervorgebrachte Niveau an Innovation ist eindrucksvoll. Aber nein, daran liegt es auch nicht.

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Die Gesetze optischer Anziehung

Mein Hauptproblem mit den Astron-Uhren ist die optische Umsetzung all dieser technischen Zauberei. Bei den Astron-Uhren habe ich mit ihrem sehr technischen, häufig reservierten Aussehen zu kämpfen. Deshalb war ich auch bei einem der Modelle in der neuen Linie der Marke für Astron-GPS-Solaruhren so überrascht, als ich eine augenblickliche emotionale Verbindung beim eisigen Auftritt der SSH063 spürte. Und mit eisig meine ich nicht nur reines Weiß.

Oftmals finde ich reines Weiß ein wenig langweilig. Deshalb ist mein Gehirn so programmiert, dass ich mich zu allem Schwarzen hingezogen fühle. Es ist nichts Bewusstes, was mich „auf die dunkle Seite“ lockt. Es passiert ganz natürlich. Aber die SSH063 beweist das Gegenteil. Das Zifferblatt der SSH063 hat wegen seiner Transparenz eine unglaubliche Tiefe. Wenn Sie sich die Bilder ansehen, dann werden Sie feststellen, dass unterhalb des Seiko-Astron-Logos Schatten zu sehen sind. Dieser fantastische optische Effekt hat es mir sofort angetan. Das Aussehen hat mich ebenso sprachlos gemacht wie all das, was sich auf dem Zifferblatt abspielt und scheinbar ganz natürlich harmoniert.

Das Zifferblatt fungiert auch als „Solarzelle“, durch die die Uhr aufgeladen wird.

Wie sich herausstellte, ist die edle Tiefe dieser SSH063 am Handgelenk die wahre Freude, und zwar immer, und immer wieder. Gleich danach ist es der für die Uhr unerlässliche eisig-kühle Hintergrund, durch den die unterschiedlichen Funktionen auf dem Display optisch bequem vergrößert werden können. Und es ist nicht nur eine Leinwand für die Funktionen der Uhr. Das Zifferblatt fungiert auch als „Solarzelle“, durch die die Uhr aufgeladen wird. Wenn es jemals ein Zifferblatt gegeben hat, das Ästhetik und Inhalt perfekt miteinander verbindet, dann ist es dieses hier.

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Das GPS-Solaruhrwerk

Unter der frostigen Oberfläche dieser Uhr befindet sich das Herzstück: das bahnbrechende Seiko-Uhrwerk 5X53. Wie Rob in seinem Einführungsartikel erklärt hatte, ist das 5X53 das schlankeste und modernste GPS-Solaruhrwerk, das jemals von der Marke entwickelt wurde. Das Uhrwerk verbindet sich zweimal täglich mit einem GPS-Signal, um eine genaue Zeitanzeige sicherzustellen. Die Uhr stellt jeden Morgen bei Sonnenaufgang, sobald Sonnenlicht erkannt wird, eine Verbindung zum GPS-Signal her, um die Zeit zu überprüfen. Dies wird später am Tag noch einmal wiederholt. Durch diese Funktion wird die hohe Präzision der Uhr sichergestellt; unabhängig davon, wo Sie sich befinden.

Und wo wir gerade dabei sind: Falls Sie häufig auf Reisen sind, dann werden die Uhr lieben. Das 5X53-Uhrwerk überprüft die Ortszeit mit nur einem Knopfdruck. Wenn Sie also durch unterschiedliche Zeitzonen reisen, stellt die Uhr die Verbindung zu mindestens vier verschiedenen Satelliten her, bevor sie sich an die Ortszeit anpasst. Und wenn Sie denken, dass es eine Weile dauern könnte, bevor dies wirklich zum Tragen kommt, dann irren Sie sich. Wie von Zauberhand wird die richtige Zeit innerhalb von drei Sekunden auf Ihrer Uhr angezeigt.

Die Verbindung zu den GPS-Signalen wird auf dem Unterzifferblatt auf der 9-Uhr-Position angezeigt. Es zeigt die Anzahl der Signale, mit denen das Uhrwerk verbunden ist, sodass Sie den Prozess währenddessen miterleben können. Das Unterzifferblatt hat zusätzlich noch eine Gangreserveanzeige sowie eine Schaltsekundenanzeige und es stellt die Sommerzeit automatisch in den Ländern ein, wo sie verwendet wird.

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Die perfekte Uhr auf Reisen

Darüber hinaus zeigt die Uhr noch die Heimatzeitzone sowie die Ortszeit an. Und Sie können wählen, welche der beiden wo angezeigt wird. Durch ein gleichzeitiges Betätigen der Drücker auf 2 und 4 Uhr können Sie von der Anzeige der Ortszeit auf dem Hauptzifferblatt zur Anzeige auf dem Unterzifferblatt auf 6 Uhr wechseln. Im gleichen Augenblick ändert sich die Anzeige der Heimatzeitzone auf dem Unterzifferblatt und wird dann auf dem Hauptzifferblatt angezeigt. Diese Funktion wird von Seiko die „Zeit-Transfer-Funktion“ genannt. Es ist eine Funktion, die eher ein „Kann“ als ein „Muss“ ist.

Wenn man ein wenig damit herumspielt, bekommt man wirklich ein Verständnis für das technische Können hinter dem 5X53-Uhrwerk in dieser Uhr. Und der Grund dafür, dass diese „Zeit-Transfer-Funktion“ und die Einstellung der Ortszeit in Windeseile getätigt werden können, sind die drei separaten Motoren, die in der Uhr für den Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger genutzt werden.

Außerdem hat die Uhr eine Tagesanzeige auf 3 Uhr, die ebenfalls über eine kleine, getrennte AM- oder PM-Anzeige verfügt. Mit einer Datumsanzeige auf 4:30 Uhr hat die Uhr einen ewigen Kalender, der das korrekte Datum bis zum Jahr 2100 anzeigt.

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Tragegefühl der Seiko Astron SSH063

Alle Funktionen sind unheimlich beeindruckend und nachdem ich – mit regelmäßigem Nachschlagen in der Bedienungsanleitung – ein wenig mit der Uhr herumgespielt hatte, konnte sich der kleine Junge in mir etwas beruhigen. Ich war wieder an dem Punkt, dass ich die Uhr wirklich trug und mich über ihre eisig-weiße Ästhetik freute, die mich bei der Uhr zu Beginn so angezogen hatte. Die Astron SSH063 hat ein Titangehäuse sowie ein Titanarmband mit einer Dreifachfaltschließe mit Druckknopfentriegelung, wodurch sich die Uhr mit 105 Gramm leicht am Handgelenk trägt. Das Gehäuse misst komfortable 42,8 mm, mit einer beträchtlichen Größe von 14,6 mm und einem Abstand von 50 mm zwischen den Bandanstößen. Trotzdem finde ich, dass sich die Uhr angenehm trägt.

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Das Gehäusedesign ist von der originalen Seiko Astron von 1969 inspiriert.

Es heißt, dass das Gehäusedesign von der originalen Seiko Astron von 1969 inspiriert ist. Abgesehen von der geschwungenen Silhouette und der dünnen Lünette scheint die Ähnlichkeit ein wenig weit hergeholt. Die Gehäuseform sieht ein bisschen mehr wie die Gehäuse aus, die uns von Grand Seiko so ans Herz gewachsen sind. Woran auch immer es liegen mag – die Größe und die geschwungenen Bandanstöße sorgen für ein angenehmes Tragegefühl am Handgelenk.

Trotz ihres kühlen Aussehens gibt es rein optisch doch eine Menge aufzunehmen. Das Zifferblatt verfügt jedoch über eine Tiefe und Schichtung, wodurch alle Anzeigen gleichzeitig betrachtet werden können. Was mir auch gefällt, sind die aufgetragenen und polierten Indizes, die über dem Zifferblatt zu schweben scheinen. Auf Zeiger und Indizes wurde Seikos LumiBrite aufgetragen, sodass die Zeit auch bei schlechteren Lichtverhältnissen einfach abgelesen werden kann. Und es verleiht der Uhr bei schwachem Licht in Kombination mit dem eisigen Weiß des Zifferblatts eine unglaubliche Präsenz.

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Abschließende Gedanken

Nachdem ich die Seiko Astron SSH063 für eine Weile getragen hatte, veränderte die Uhr meinen allgemeinen Eindruck von der Astron-Linie. Sie hat mir gezeigt, dass es einen Weg gibt, Astron-Uhren attraktiv und weniger kühl aussehen zu lassen. Dies ist bemerkenswert, denn die SSH063 ist theoretisch die kühlste der vier verfügbaren Farben. Die Uhr hat mir auch gezeigt, dass es sich lohnt, doch häufiger in der Astron-Linie zu stöbern. Bei all den mechanischen Schätzen, die von der Marke vorgestellt werden und auf denen das Hauptaugenmerk liegt, war es eine angenehme Pause, dieses Kronjuwel aus der Astron-Kollektion zu tragen.

Die neue Seiko Astron SSH063 hat allerdings mit einem Katalogpreis von 2.600 € ihren Preis. Was Sie dafür erhalten, ist sowohl hinsichtlich Ganggenauigkeit als auch Eigenschaften unglaublich eindrucksvoll. In Kombination mit dem Titangehäuse, dem Metallarmband und dem wahnsinnig attraktiven Zifferblatt in transparentem Weiß ist dies eine reizvolle Uhr. Aber sie ist mit Sicherheit etwas für diejenigen, denen die Idee der Astron-Kollektion gefällt, oder für Liebhaber wie mich, die sich in ein bestimmtes Detail verlieben und dies dann nur schwer vergessen können (ich für meinen Teil spreche natürlich von dem weißen Zifferblatt). Wer hätte vorhersehen können, dass es eine Seiko Astron brauchte, um mich womöglich vor der „Dunklen Seite“ zu bewahren?

Weitere Informationen zur Seiko Astron SSH063 finden Sie hier auf der offiziellen Seiko-Webseite.