Die vintage Omega Constellation ist die Uhr, die meine Leidenschaft für Uhren entfachte. Einige meiner Verwandten hatten (und haben) Omega Constellations, und diese Zeitmesser weckten überhaupt erst mein Interesse an Uhren. Später erbte ich eine schöne Omega Constellation aus dem Jahr 1968, die mir lieb und teuer ist, weil mein Großvater sie mehr als 40 Jahre lang täglich am Handgelenk trug. Über die Jahre habe ich ein paar Constellation Modelle dazugekauft.

Ich finde, es ist deshalb an der Zeit, der vintage Omega Constellation hier bei Fratello Watches ein wenig wohlverdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Vor ein paar Monaten haben wir (Bert Buijsrogge und ich) einen Sammler besucht. Wir beschlossen, seine vintage Omega Constellation und Longines Conquest-Modelle zu fotografieren. Alle Omega Constellation Modelle, die Sie in diesem Artikel sehen, sind aus Gold gefertigt und mit den typischen goldenen Milanaise-Armbändern ausgestattet. Was man nicht alles tut für eine Uhr, die man wirklich liebt. Einige Omega Constellation Uhren wurden zwar so ausgeliefert, aber es gab sie auch mit goldenen Reiskorn- und Leder-Armbändern.

Omega Constellation

Die Geschichte der Omega Constellation

Die Omega Constellation war einst das Flaggschiff der Omega Kollektion. Diese besondere Modellfamilie in der Kollektion wurde 1952 ins Leben gerufen. Und zwar deshalb, weil die in limitierter Auflage produzierte Centenary Kollektion so stark nachgefragt wurde. Das schreibt zumindest Marco Richon 2007 in der Publikation “Omega – Reise durch die Zeit”. Die Centenary von 1948 kam anlässlich des 100. Geburtstags von Omega auf den Markt und war der erste Automatik Chronometer des Unternehmens. Sie wurde nicht in Serie produziert, aber die Nachfrage war so groß, dass Omega 1952 beschloss, eine neue Automatik Chronometer-Modellfamilie auf den Markt zu bringen: die Constellation.

Die ersten Omega Constellation Modelle hatten Uhrwerke mit Hammerautomatik und charakteristische rautenförmige Stundenmarkierungen. Die Uhren im obenstehenden Foto zeigen ebenfalls rautenförmige Stundenmarkierungen auf ihren sogenannten “Pie Pan”-Zifferblättern. Die Schwertzeiger wurden bis in die späten 1960er Jahre verwendet.

Um 1955 wurde das Omega Kaliber 354 mit Hammerautomatik und Chronometer-Einstufung durch das Kaliber der Reihe 50x ersetzt. Dieses Uhrwerk hatte einen normalen Rotor und war in verschiedenen Versionen erhältlich (mit Datum/ohne Datum). Ab 1959 folgten auf diese Uhrwerk-Reihe die Uhrwerk-Familien Kaliber 55x (ohne Datum) und 56x (mit Datum). Einige dieser Uhrwerke wurden auch für Seamaster Modelle verwendet, allerdings nur in sehr seltenen Fällen mit einer Chronometer-Zertifizierung. Eine der besten Online-Quellen in Bezug auf dieses Thema ist der Omega Constellation Collectors Blog von Desmond. Dort finden Sie auch einen anschaulichen Überblick über die verschiedenen Zifferblätter und Gehäuse, die für die Constellation Kollektion verwendet wurden.

Aufwändige Zifferblätter, schicke Bandanstöße

Herausragend im Vergleich zu anderen Omega Familien dieser Zeit sind unter anderem die aufwändig dekorierten Zifferblätter der Constellation. Goldene Zifferblätter, Stundenmarkierungen, Zeiger, Logos und Schriften oder Stundenmarkierungen aus Onyx, das hatte man bis dahin in diesem Ausmaß bei keiner anderen Omega Kollektion gesehen. Einige goldene Zifferblätter waren matt gebürstet, andere zeigten ein Sonnen-Guilloché-Muster oder waren kreuzgerippt. In den 1950er und 1960er Jahren war die Omega Constellation mit vielen verschiedenen Zifferblättern erhältlich.

Die “Pie Pan” Zifferblätter (siehe das Foto weiter unten) sieht man häufig bei den vintage Omega Constellation Uhren. Goldene, rautenförmige Stundenmarkierungen sind seltener und tauchen nur bei den frühen Modellen auf. In den 1960er Jahren verwendete Omega bei manchen Constellation Modellen Onyx-Stundenmarkierungen oder, um genau zu sein, goldene Stundenmarkierungen mit einer Onyx-Einlage.

Ein weiterer Aspekt, der die Constellation für viele Sammler attraktiv macht, sind ihre schön gemachten, schicken Bandanstöße. Die frühen Omega Constellations haben gerundete Bandanstöße, die in den 1960er Jahren ein wenig verändert wurden. Die Gestaltung wurde etwas eckiger und kantiger, aber immer noch sehr elegant (2. Foto unten).

Vintage Omega Constellation

Vintage Omega Constellation

Constellation Deluxe, Constellation Grand Luxe, Constellation II Deluxe Calendar

Omega stattete einige seiner Constellation Modelle mit den Attributen Deluxe, Grand Deluxe und Deluxe Calendar aus. Es ist nicht ganz klar, ob diese Uhren ein edleres Finish, hochwertigere Zifferblätter oder ein Goldarmband besaßen. Meine geerbte Omega Constellation 168.010 etwa hatte ursprünglich ein goldenes Milanaise-Armband und trug die Bezeichnung “Constellation II Deluxe Calendar”.  Sie hat eine Datumsschnellschaltung (Kaliber 564) und war das Nachfolgemodell der Constellation mit der Referenz 168.004. Ich besitze zufällig eine vintage Omega Constellation 168.004 mit einem Kaliber 561 Uhrwerk und einem sehr ähnlichen Zifferblatt. Dieses Modell wird als “Constellation II” bezeichnet. Ich frage mich, was das Attribut “Deluxe Calendar” der 168.010 in Bezug auf Finish und Ausführung aussagt.

Bei einigen Modellen liegt es auf der Hand, warum sie Constellation Grand Luxe heißen – sie wurden mit einem wunderschönen goldenen Reinhor-Gliederarmband und in einem silbernen Etui geliefert. Dennoch werkelten in diesen Modellen, trotz Attributen wie Deluxe oder Grand Luxe, die gleichen Uhrwerke mit demselben Finish. Außerdem gab es da noch einige Modelle in Weißgold und sogar Platin, die sehr selten waren und die Attribute Deluxe und Grand Luxe trugen. Verwirrend.

Das Genfer Observatorium

Alle goldenen Constellation Modelle haben das Genfer Observatorium in den Gehäuseboden eingraviert. In den Gehäuseboden der Edelstahl-Modelle und der Gold-Edelstahl-Modelle ist ein Gold-Medaillon eingelassen, in den das Genfer Observatorium eingraviert ist. Bei den Modellen mit dem goldenen Stern auf dem Zifferblatt, der den Modellnamen “Constellation” hervorhebt, ist das Observatorium unter einem Sternenhimmel eingraviert. Die acht Sterne auf dem Gehäuseboden stehen für die vielen Preise, die Omega in internationalen Chronometrie-Wettbewerben erzielt hat. Wie schon weiter oben beschrieben, sind die Constellation Modelle allesamt Chronographen, eine Zertifizierung, die für die hohe Ganggenauigkeit der Uhrwerke bürgt. Abgesehen von der Constellation gibt es auch in einigen anderen Familien der Omega Kollektion Uhren mit Chronometer-Zertifikat. Die vintage Omega Constellation Modelle waren jedoch als damalige Flaggschiffe der Marke immer Chronometer.

Omega Constellation

Die 1970er-Jahre und danach …

Für mich sind die vintage Omega Constellation Modelle zwischen 1952 und 1970 die interessantesten. Die elegant geformten Gehäuse, die schicken Bandanstöße, die 10-seitigen Kronen, die wunderschönen kupferfarbenen Uhrwerke und die aufwendigen Zifferblätter dieser frühen Omega Constellation Uhren mussten in den 1970er-Jahren klobig geformten Modellen weichen. Darunter sind einige wunderschöne “Kult”-Modellei, wie die rechteckige Constellation Marine Stardust mit ihrem Zifferblatt aus Aventurinquarz. Im Allgemeinen lässt sich jedoch sagen, dass sie die Klasse dieser früheren Modelle nicht ganz erreichen.

Omega Constellation

Man könnte tatsächlich sagen, dass die Omega Constellation Kollektion in diesen Jahren ein wenig die Orientierung verloren hatte. Dutzende verschiedene Modelle, Gehäuseformen und so weiter. Erst 1982 wurde das ehemalige Flaggschiff der Marke neu erfunden. In diesem Jahr wurde die Omega Constellation “Manhattan” vorgestellt. Dieses neue Design mit seinen vier an das Glas geschmiegten Klauen, integriertem Armband und Chronometer-Uhrwerk (auch für die Quarz-Modelle, die natürlich bei der Chronometer-Zertifizierung einen anderen Standard erfüllen müssen) wurde von Carol Didisheim entworfen und ist auch heute noch Teil der Kollektion. Auch wenn das Design im Laufe der Jahre aktualisiert wurde, folgt es immer noch dem ursprünglichen Design von 1982. Die aktuelle Constellation Kollektion wird heute nicht mehr als Flaggschiff betrachtet, erfreut sich jedoch in bestimmten Ländern (z.B. China und Indien) großer Beliebtheit. Vor kurzem hat Omega sogar im Rahmen einer limitierten Auflage der Constellation das klassische “Pie Pan” Zifferblatt wieder aufgegriffen.

Vintage Omega Constellation Uhren sammeln

Wenn Sie sich auf dem Markt nach einer vintage Omega Constellation umschauen, sollten Sie sich über ein paar Dinge im Klaren sein. Zum einen handelt es sich nach heutigen Standards um eine kleine Uhr. Mit einem Durchmesser von etwa 34 mm wirkt sie eher zierlich. Rückblickend war es von Rolex ziemlich clever, die Oyster Perpetual Day-Date (ref.1803) mit einem Durchmesser von 36 mm zu gestalten, denn das wurde lange Zeit als normal betrachtet. Ein Durchmesse von 34 mm gilt dagegen seit 10 bis 15 Jahren als klein. Da ich die Rolex Oyster Day-Date schon erwähnt habe, möchte ich Ihnen noch verraten, dass die goldene vintage Omega Constellation mit Goldarmband damals ein wenig teurer war als die Rolex Day-Date 1803. Obwohl die Omega Constellation Grand Luxe mit goldenem Reinhor-Armband höhere Preise erzielt als eine durchschnittliche goldene Day-Date mit President-Armband, sind die meisten goldenen Constellations immer noch billiger zu erwerben als eine goldene Day-Date.

Omega Constellation

In den letzten Jahren sind die Preise für vintage Omega Constellations jedoch gestiegen. Vergessen Sie am besten die Preise, die Sie vielleicht im OmegaMania Katalog von 2007 gesehen haben. Wie es scheint, war in den Preisen, die manche Uhren bei Auktionen erzielten, viel “Luft”. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand und der Hilfe von Plattformen wie Watchrecon.comChrono24.com und den verschiedenen Verkaufsforen können Sie eine schöne goldene Omega Constellation für um die 3.000 US-Dollar erwerben. Für eine schöne frühe goldene Constellation (Deluxe) mit den großen rautenförmigen Stundenmarkierungen sollten Sie deutlich mehr Geld einkalkulieren. Wenn Sie eine Omega Constellation mit einem Goldarmband Ihr Eigen nennen wollen, wie sie auf den Fotos zu diesem Artikel zu sehen ist, kann sich der Preis sogar verdoppeln. Vergessen Sie jedoch nie, dass es immer auf den konkreten Zustand ankommt!

Auch wenn Omega in der Lage ist, viele eigene klassische Modelle zu warten, wird Sie die Wartung eines Kaliber 354 mit Pendelschwungmasse, 50x, 55x oder 56x einiges kosten. Omega publiziert diese Wartungspreise ganz offen. Ein Blick auf die umfassende Wartungsservice-Preisliste auf der Omega Website zeigt Ihnen, womit Sie rechnen müssen. Die erwähnten Kaliber finden Sie in der 4. Kategorie (sehr alte Kaliber). Bei einer Komplettüberholung bekommen Sie nur einen Kostenvoranschlag.

Ein großes Dankeschön geht an den Sammler dieser wunderschönen Omega Constellation Uhren, der anonym bleiben möchte.

*Dieser Artikel erschien erstmals am 28. Juni 2014 auf Englisch und wurde in der Zwischenzeit aktualisiert.